Fragen zur Sachkunde nach § 34a
Recht der öffentlichen Sicherheit und Ordnung Gewerberecht
Datenschutz
Bürgerliches Recht
Unfallverhütungsvorschriften
Straf- und Verfahrensrecht

Kontrollfragen (Hausfriedensbruch, § 123 StGB)
Kontrollfragen (Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten, § 126 StGB)
Kontrollfragen (Amtsanmaßung, § 132 StGB)
Kontrollfragen (Missbrauch von Titeln, § 132a StGB)
Kontrollfragen (Nichtanzeige geplanter Straftaten)
Kontrollfragen (Missbrauch von Notrufen )
Kontrollfragen (Falsche uneidliche Aussage)
Kontrollfragen (Meineid)
Kontrollfragen (Falsche Verdächtigung)
Kontrollfragen (Beleidigung)
Kontrollfragen (Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes)
Kontrollfragen (Verletzung des Briefgeheimnisses)
Kontrollfragen (Ausspähen von Daten)
Kontrollfragen (Körperverletzung)
Kontrollfragen (Gefährliche Körperverletzung)
Kontrollfragen (Freiheitsberaubung)
Kontrollfragen (Nachstellung / Stalking)
Kontrollfragen (Nötigung)
Kontrollfragen (Bedrohung)
Kontrollfragen (Diebstahl)
Kontrollfragen (Besonders schwerer Fall des Diebstahls)
Kontrollfragen (Diebstahl mit Waffen / Wohnungseinbruchsdiebstahl)
Kontrollfragen (Raub)
Kontrollfragen (Räuberischer Diebstahl)
Kontrollfragen (Betrug)
Kontrollfragen (Erpressung)
Kontrollfragen (Räuberische Erpressung)
Kontrollfragen (Begünstigung)
Kontrollfragen (Strafvereitelung)
Kontrollfragen (Hehlerei)
Kontrollfragen (Urkundenfälschung)
Kontrollfragen (Sachbeschädigung)
Kontrollfragen (Brandstiftung / Schwere Brandstiftung / Herbeiführen einer Brandgefahr)
Kontrollfragen (Unterlassene Hilfeleistung)
Kontrollfragen (Betäubungsmittelstrafrecht)
Kontrollfragen (Rechtswidrigkeit)
Kontrollfragen (Notwehr)
Kontrollfragen (Rechtfertigender Notstand)
Kontrollfragen (Vorläufige Festnahme)
Kontrollfragen (Defensivnotstand)
Kontrollfragen (Aggressivnotstand)
Kontrollfragen (Selbsthilfe)
Kontrollfragen (Selbsthilfe des Besitzers)
Kontrollfragen (Schuld)
Kontrollfragen (Entschuldigender Notstand)
Kontrollfragen (Notwehrüberschreitung und Putativnotwehr)
Kontrollfragen (Verfahrensvoraussetzungen)
Kontrollfragen (Vorschriften der Strafprozessordnun)
Umgang mit Verteidigungswaffen
Umgang mit Menschen
Grundlagen der Sicherheitstechnik
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Fragen zur Sachkunde nach §34a


A01) Welche Bedeutung hat Sicherheit für den Menschen?
Antwort: Sicherheit gehört zu den Grundbedürfnissen des Menschen und wird individuell empfunden. Das Sicherheitsbedürfnis ist abhängig von der Lebenssituation des einzelnen bzw. von der jeweiligen Bedrohungsanalyse des Objektes.

A02) Warum sind die Anforderungen an das Private Sicherheitsgewerbe gestiegen?
Antwort: Da zunehmend ein Beitrag für die öffentliche Sicherheit geleistet wird, sind höhere Anforderungeninsbesondere an das Personal zwangsläufig die Folge.

A03) Was ist unter „Public-Private-Partnership“ zu verstehen?
Antwort: Es ist eine Kooperationsvereinbarung zur Förderung der Zusammenarbeit zwischen Polizei und privaten Sicherheitsdiensten mit dem Ziel, die öffentliche Sicherheit zu stärken.

A04) Wie hat sich das Private Sicherheitsgewerbe in den letzten Jahren entwickelt? Was sind traditionelle Aufgaben? Was sind neue Aufgaben?
Antwort: Es hat stark an Bedeutung zugenommen, da sich der Staat aus vielen Bereichen zurückzieht und das Sicherheitsbedürfnis eher größer geworden ist. Traditionelle Aufgaben sind Werk- und Objektschutz, neue Aufgaben beispielsweise Citystreifen.

A05) Was ist unter der „Ewigkeitsklausel“ bzw. dem „verfassungsrechtlichen Minimum“ zu verstehen? Welche Grundsätze fallen darunter? 
Antwort: Es handelt sich um unabänderbare Verfassungsgrundsätze Darunter fallen:
- föderalistischer Aufbau der BRD
- Schutz der Menschenwürde
- Bekenntnis zu den Menschenrechten
- Bindung der Gesetzgebung, vollziehenden Gewalt und
Rechtsprechung an die Grundrechte
- Demokratie
- Sozialstaat
- horizontale Gewaltenteilung (Gesetzgebung, vollziehende Gewalt, Rechtsprechung)
- Rechtsstaat
- Widerstandsrecht gegen denjenigen, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, wenn andere
Abhilfe nicht möglich ist

A06) Welche Arten der staatlichen Gewaltenteilung gibt es? 
Antwort: horizontale Gewaltenteilung (siehe vorstehende Antwort) und vertikale Gewaltenteilung (Aufteilung der Macht in Bund und Länder = föderalistisches Prinzip)

A07) Wie wird das Rechtsstaatsprinzip gewährleistet? 
Antwort: Durch
- die horizontale Gewaltenteilung (Art. 20 Abs. 2 GG)
- die Bindung der drei Gewalten an die Grundrechte als unmittelbar geltendes Recht (Art. 1 Abs. 3 GG)
- den Gesetzmäßigkeitsgrundsatz (Art. 20 Abs. 3 GG)

A08) Welche Funktion haben die Grundrechte?
Antwort:
- Sie sind in erster Linie Abwehrrechte des Bürgers gegen den Staat. Sie geben dem einzelnen einen „staatsfreien Raum“, sofern er sich an Gesetz und Recht hält.
- Sie sind notfalls einklagbar und verpflichten ggf. den Staat zum Handeln.
- Sie entfalten eine „Drittwirkung“, d.h. sie regeln auch die Beziehungen der Bürger untereinander.

A09) Wo sind die Grundrechte aufgeführt?
Antwort: Im Grundgesetz (in der Verfassung) in den Artikeln 1 bis 19
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A10) Wodurch wird die Ausübung der Grundrechte beschränkt?
Antwort: Durch
- verfassungsimmanente Schranken (Beispiel: Art. 8 Versammlungsfreiheit wird nur friedlich und ohne Waffen gewährt)
- die Verletzung der Rechte anderer (Beispiel: Art. 2 freie Entfaltung der Persönlichkeit, soweit Rechte anderer nicht verletzt werden)
- Eingriffe auf Gesetzesgrundlage (Beispiel: polizeiliche Eingriffe zur Strafverfolgung auf der Grundlage von Bestimmungen der StPO, aber auch Eingriffe durch Bewachungspersonen auf der Grundlage von Jedermannsrechte)

A11) In welches Grundrecht darf niemals eingegriffen werden? 
Antwort: In die Menschenwürde

A12) Was ist unter dem „staatlichen Gewaltmonopol“ zu verstehen?
Antwort: Grundsätzlich darf nur der Staat zur Erfüllung seiner Aufgaben Gewalt anwenden.

A13) Wie wird das Recht grundsätzlich aufgeteilt?
Antwort: In das Privatrecht oder auch Bürgerliches Recht / Zivilrecht genannt und in das Öffentliche Recht.

A14) Wo liegen die grundsätzlichen Unterschiede zwischen Privatrecht und Öffentlichem Recht?
Antwort: Das Privatrecht regelt die Rechtsbeziehungen der Bürger, Vereine, Staat als Fiskus untereinander (Gleichordnung der Parteien = Koordinationsprinzip), das Öffentliche Recht regelt die Rechtsbeziehungen zwischen Bürger und Staat (Über-Unterordnungsprinzip = Subordinationsprinzip)

A15) Woraus ergeben sich die rechtlichen Befugnisse und Pflichten des Bewachungsgewerbes? 
Antwort: Die Befugnisse aus den Jedermannsrechten, den vertraglich übertragenen Selbsthilferechten und aus gesetzlicher Übertragung, die Pflichten aus dem Dienstvertrag zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer, dem Arbeitsvertrag und der Dienstanweisung.

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B01) Welche Verordnungen enthalten die gewerberechtlichen Grundlagen für das Private Sicherheitsgewerbe (Bewachungsgewerbe)? 
Antwort: Gewerbeordnung und Bewachungsverordnung

B02) Wann ist grundsätzlich von einer Bewachung im Sinne der GewO auszugehen? 
Antwort: Es müssen fremde Personen oder Sachen bewacht werden durch Personen von gewisser Dauer oder mittels wiederkehrender Kontrollen (aktive Obhutstätigkeit).

B03) Welche Voraussetzungen muss ein Unternehmer erfüllen? 
Antwort: Zuverlässigkeit, Mittel oder Sicherheiten nachweisen (Haftpflichtversicherung), Unterrichtung für Unternehmer oder Sachkundeprüfung

B04) Welche Voraussetzungen muss ein Mitarbeiter erfüllen? 
Antwort: 
• Zuverlässigkeit
• grundsätzlich Vollendung des 18. Lebensjahres 
• grundsätzlich Unterrichtung für Beschäftigte mit Verständnisüberprüfung
• Eignung für die jeweilige Aufgabe

B05) Für welche Tätigkeitsfelder ist eine Sachkundeprüfung erforderlich und warum ist diese Prüfung gefordert? 
Antwort: Kurzform: Citystreifen, Einzelhandelsdetektiv, Diskothekentürsteher. Es sind so genannte konfliktträchtige Tätigkeitsfelder, denn die Kunden sind sehr unterschiedlich, nicht selten gehören sie Randgruppen an. Die Aufgabenwahrnehmung erfolgt häufig in Konfliktsituationen. Deshalb sind insbesondere sichere Rechtskenntnisse sowie Kenntnisse und Fähigkeiten im Umgang mit Menschen erforderlich.

B06) Welche Verpflichtungen hat der Gewerbetreibende nach der GewO? 
Antwort: Er hat der zuständigen Behörde die Aufnahme und die Beendigung des Gewerbes, Standortverlegungen, Eröffnung von Zweigniederlassungen usw. anzuzeigen. Außerdem muss er der zuständigen Behörde eine Nachschau grundsätzlich während der üblichen Geschäftzeiten ermöglichen und Auskünfte erteilen.

B07) Was ist unter der Wahrung von Geschäftsgeheimnissen zu verstehen? 
Antwort: Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse Dritter, die die Wachperson in Ausübung des Dienstes erfahren hat, dürfen nicht unbefugt offenbart werden.

B08) Welche Hinweise und Bestimmungen muss die Dienstanweisung enthalten? 
Antwort: 
• Wachpersonen haben nicht die Eigenschaft und die Befugnisse eines Polizeibeamten, eines Hilfspolizeibeamten oder eines sonstigen Bediensteten einer Behörde.
• Schusswaffen, Hieb- und Stoßwaffen sowie Reizstoffsprühgeräte dürfen nur mit Zustimmung des Gewerbetreibenden geführt werden.
• Jeder Gebrauch dieser Waffen ist unverzüglich der zuständigen Polizeidienststelle und dem Gewerbetreibenden anzuzeigen.

B09) Was muss der Gewerbetreibende der Wachperson gegen Empfangsbescheinigung aushändigen? 
Antwort: Abdruck der Dienstanweisung sowie der BGV C 7

B10) Was muss ein Dienstausweis enthalten? 
Antwort: Namen und Vornamen der Wachperson, Lichtbild der Wachperson, Namen und Anschrift des Gewerbetreibenden, Unterschriften der Wachperson sowie des Gewerbetreibenden (oder Vertreters)

B11) Welche Wachpersonen müssen gekennzeichnet sein? Wie soll die die Kennzeichnung erfolgen?
Antwort: Citystreifen und Diskothekentürsteher. Sie müssen ein Schild mit ihrem Namen oder einer Kennnummer sowie mit dem Namen des Gewerbetreibenden (Firmennamen) tragen.

B12) Wann muss eine Dienstkleidung getragen werden? 
Antwort: Wenn in Ausübung des Dienstes eingefriedetes Besitztum betreten werden soll

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B13) Wie muss die Dienstkleidung beschaffen sein? 
Antwort: Sie darf nicht mit Uniformen der Angehörigen von Streitkräften oder behördlichen Vollzugsorganen 
verwechselt werden können. Das gleiche gilt sinngemäß für Abzeichen.

B14) Was ist im Umgang mit Waffen zu beachten? 
Antwort: Sie sind sicher aufzubewahren. Jeder Gebrauch ist der zuständigen Behörde und der Polizei anzuzeigen.Hinweis: Weitere Vorschriften sind den Kapiteln „Umgang mit Verteidigungswaffen“ und „Unfallverhütungsvorschriften“ zu entnehmen.

B15) Gibt es gesetzliche Vorschriften zur Buchführung und Aufbewahrung von Unterlagen und für wen gelten sie? 
Antwort: Ja, § 14 BewachV führt zahlreiche Bestimmungen auf. Sie gelten für den Gewerbetreibenden.

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Datenschutz
C01) Was ist unter Datenschutz zu verstehen?
Antwort: Datenschutz ist der Schutz des einzelnen vor Missbrauch im Umgang mit seinen personenbezogen Daten.

C02) Was versteht man unter dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung?
Antwort: Es ist das Recht des einzelnen, grundsätzlich selbst zu entscheiden, welche Lebenssachverhalte er offenbaren will; er hat auch das Recht zu wissen, wer was wann wo über ihn erfasst, speichert, für oder gegen ihn verwendet.

C03) Welche Gesetze sind speziell zum Datenschutz erlassen worden? 
Antwort: Bundesdatenschutzgesetz u. Landesdatenschutzgesetze

C04) Wo liegen die Gefahren eines extremen Datenschutzes?
Antwort: Wichtige Informationen zur Verbrechensbekämpfung und zur Gefahrenabwehr (z.B. Planung terroristischer Anschläge) könnten gar nicht oder zu spät den zuständigen Stellen bekannt werden.

C05) Welche Berührungspunkte hat das Private Sicherheitsgewerbe mit dem Datenschutz?
Antwort: In vielfacher Art, z.B. bei der Erhebung von Besucherdaten im Empfangsdienst, der Festnahme von Ladendieben, Anzeigen- und Berichtsfertigung, Detekteien und Auskunfteien, Personenfeststellungen im Kontrolldienst, der Videoüberwachung in Kaufhäusern und öffentlichen Verkehrsanlagen. Deshalb enthält § 8 BewachV spezielle Verpflichtungen und verweist auf das Bundesdatenschutzgesetz.

C06) Was sind personenbezogene Daten? 
Antwort: Einzelangaben über persönliche oder sachliche Verhältnisse einer bestimmten oder bestimmbaren natürlichen Person, also jede Information, die man einer Person zuordnen kann. Das sind nicht nur die klassischen Personalien, sondern auch Fakten zu Lebensgewohnheiten, Krankheiten, Vermögensverhältnissen usw..

C07) Was ist eine nicht öffentliche Stelle? 
Antwort: Es sind natürliche und juristische Personen, Gesellschaften und andere Personenvereinigungen.

C08) Welche Folgen können bei Verstößen eintreten? 
Antwort: Straftaten, Ordnungswidrigkeiten, Schadensersatzforderungen

C09) Was ist unter „Datengeheimnis“ zu verstehen?
Antwort: Allen bei der Datenverarbeitung beschäftigten Personen ist es untersagt, unbefugt personenbezogene Daten zu erheben, zu verarbeiten oder zu nutzen. Bei der Aufnahme ihrer Tätigkeit sind die Personen auf das Datengeheimnis schriftlich zu verpflichten. Die Verpflichtung gilt auch nach dem Ausscheiden aus dem Dienst weiter (siehe auch § 8 BewachV).

C10) Was ist der beste Datenschutz? 
Antwort: Datenvermeidung

C11) Wozu dienen technische und organisatorische Maßnahmen für die Gewährleistung der 
Einhaltung der Bestimmungen des BDSG bei der Datenerhebung und Datenverarbeitung und wer hat sie zu treffen? 
Antwort: Sie sollen die Einhaltung der Bestimmungen des BDSG gewährleisten und sind durch die verantwortliche Stelle (Inhaber, Vorstand, Geschäftsführer und ggf. betrieblicher Datenschutzbeauftragter) zu treffen.

C12) Welches sind beispielsweise technische und organisatorische Maßnahmen bei der Datenerhebung und Datenverarbeitung?
Antwort: Beispielsweise Zutrittskontrolle, Zugangskontrolle, Zugriffskontrolle, Weitergabekontrolle, Eingabekontrolle, Auftragskontrolle, Verfügbarkeitskontrolle, Zweckbindungskontrolle.

C13) Welche Aufgaben hat der betriebliche Datenschutzbeauftragte? 
Antwort: Gestaltung der innerbetrieblichen Organisation entsprechend den Anforderungen des Datenschutzes Schulung der Mitarbeiter Überwachung der ordnungsgemäßen Anwendung der Datenverarbeitungsprogramme Durchführung der Vorabkontrolle sensibler personenbezogener Daten

Fragen zur Sachkunde nach §34a

C14) Wo sind im StGB Tatbestände aufgeführt? 
Antwort: Im fünfzehnten Abschnitt ( §§ 201 bis 206 )

C15) Welche Überschrift trägt dieser Abschnitt? 
Antwort: Verletzung des persönlichen Lebens- und Geheimbereichs

C16) Wie sind diese Delikte einzustufen ?
Antwort: Es sind Vergehen, die überwiegend einen Strafantrag des Geschädigten als Verfahrensvoraussetzung erfordern.

C17) Welche Delikte sind dort beispielsweise aufgeführt? 
Antwort: Beispielsweise Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes und Verletzung des Briefgeheimnisses (Weitere Beispiele: Ausspähen von Daten, Verletzung von Privatgeheimnissen, Verwertung fremder Geheimnisse, Verletzung des Post- oder Fernmeldegeheimnisses)

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Bürgerliches Recht
D01) Was regelt das Bürgerliche Recht und in welchem Gesetz sind die grundsätzlichen Regelungen enthalten? 
Antwort: Das Bürgerliche Recht regelt der Rechtsbeziehungen der Bürger untereinander. Die grundsätzlichen Regelungen sind im BGB enthalten.

D02) Welche Funktion haben die Jedermannsrechte bzw. Rechtfertigungsgründe? 
Antwort: Sie erlauben es jedermann, in bestimmten Situationen eine unerlaubte Handlung zu begehen, ohne dafür Schadensersatz leisten zu müssen bzw. einen Straftatbestand tatbestandsmäßig zu verletzen, ohne dafür bestraft zu werden.

D03) Was unterscheidet Eigentümer und Besitzer? 
Antwort: Der Eigentümer hat die rechtliche Verfügungsgewalt; der Besitzer hat die tatsächliche Verfügungsgewalt.

D04) Was ist ein Besitzdiener?
Antwort: Der Besitzdiener übt die tatsächliche Gewalt im Auftrag des Besitzers über dessen Besitz aus. Er unterliegt seinen Weisungen und hat die gleichen Rechte wie der Besitzer.

D05) Was versteht man unter dem Hausrecht? 
Antwort: Das Hausrecht beinhaltet die Entscheidungsbefugnis darüber, wer sich innerhalb der geschützten Räume bzw. des befriedeten Besitztums aufhalten darf.

D06) Ein Sicherheitsmitarbeiter führt an drei aufeinander folgenden Tagen bei ein und derselben Person aus persönlichen Gründen eine Taschenkontrolle durch. Gegen welche Vorschrift hat der Sicherheitsmitarbeiter verstoßen? 
Antwort: Gegen § 226 BGB ( Schikaneverbot)

D07) Nennen Sie bitte die zentrale Schadensersatzvorschrift des BGB!
Antwort: Schadensersatz nach unerlaubten Handlungen; § 823 BGB.

D08) Ein vierjähriges Kind K. beschädigt mit seinem Dreirad die Lackierung des Pkw des Nachbarn N.
Hat N. eine Chance, seinen Schaden in Höhe von 1.500,00 Euro bezahlt zu bekommen?
Antwort: Da das Kind noch keine 7 Jahre alt ist, haftet es gemäß § 828 BGB nicht selbst. In Betracht kommt allein
 eine Haftung der Eltern des K. gemäß § 832 BGB, wenn diese ihrer Aufsichtspflicht nicht genügt haben. Anderenfalls müsste N. seine Vollkaskoversicherung in Anspruch nehmen bzw. er müsste den Schaden selbst bezahlen.

D09) Nennen Sie bitte die beiden Formen von Schadensersatzpflichten. Wodurch unterscheiden sie sich?
Antwort: Es gibt Schadensersatzpflichten aus Gefährdungshaftung und aus Verschuldenshaftung. Bei der Gefährdungshaftung ist haftungsbegründend allein die Schaffung einer Gefahr. Bei der Verschuldenshaftung muss der Eintritt des Schadens auf Vorsatz oder Fahrlässigkeit beruhen.

D10) Bitte nennen Sie zwei Gefährdungshaftungen!
Antwort: Gefährdungshaftung des Tierhalters gemäß § 833 BGB und Gefährdungshaftung des Kraftfahrzeughalters
 gemäß § 7 StVG.

D11) Was versteht man unter verbotener Eigenmacht? 
Antwort: Wer dem Besitzer ohne dessen Willen den Besitz entzieht oder ihm im Besitze stört, handelt grundsätzlich widerrechtlich und übt verbotene Eigenmacht aus.

D12) Können die für Sachen geltenden Vorschriften auch auf Tiere angewendet werden?
Antwort: Nur soweit keine anderen Vorschriften, z.B. Tier- und Artenschutzgesetze, dagegen sprechen.

Fragen zur Sachkunde nach §34a


Unfallverhütungsvorschriften
E01) Wer sind die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung?
Antwort: Die gewerblichen und landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften (BG) sowie weitere Unfallversicherungsträger im öffentlichen Dienst.

E02) Wie heißt die zuständige BG für das Bewachungswesen ?
Antwort: Die Verwaltungsberufsgenossenschaft (VBG)

E03) Welche drei Gruppen von Vorschriften zur Arbeitssicherheit gibt es?
Antwort: Die “Arbeitsschutzvorschriften“ des Staates als Gesetze und Rechtsverordnungen, die Unfallverhütungsvorschriften (UVV) der Unfallversicherungsträger und die “allgemein anerkannten Regeln der Sicherheitstechnik und Arbeitsmedizin“.

E04) Was sind die “BGV“?
Antwort: Von den gewerblichen BG erlassene “Berufsgenossenschaftliche Vorschriften“ für Schutz und Sicherheit bei der Arbeit“

E05) Wann, wohin und durch wen ist ein Arbeitsunfall “anzeigepflichtig“?
Antwort:
- bei einer Arbeitsunfähigkeit von mehr als drei Tagen
- zur BG
- durch den Arbeitgeber

E06) Was muss der Sicherheitsunternehmer (SU) in Zusammenarbeit mit dem Auftraggeber (AG) für die Arbeitssicherheit im Einsatzbereich sicherstellen? 
Antwort: Der SU muss Mängel vor der Auftragsannahme und während der Auftragsdurchführung feststellen und die Abstellung bei dem AG anfordern sowie bei nicht vermeidbaren Gefahren die Sicherungskräfte in sicherheitsgerechtes Verhalten einweisen.

E07) Was sind die Ziele der “Dienstanweisung“?
Antwort:
a) die Auftragsdurchführung auch unter Arbeitssicherheitsaspekten zu regeln
b) eine möglichst gleiche Auftragsdurchführung von allen beteiligten Mitarbeitern zu erreichen

E08) Welche grundsätzlichen Voraussetzungen muss der SU bei “Einrichtungen, Ausrüstungen und
 
Hilfsmitteln“, mit denen er seine Sicherungskräfte ausstattet, sicherstellen?

Antwort: Sie müssen ordnungsgemäß sein und in ihre Handhabung muss ausreichend eingewiesen sein.

E09) Wie lauten die zwei Bestimmungen zum Verzehr von Alkohol oder von anderen berauschende Mitteln?
Antwort: 
a) Verbot jeglichen Verzehrs während der Arbeit
b) Gebot der Nüchternheit bei Arbeitsbeginn

E10) Wie ist der Einsatz von Schreck- und Gasschusswaffen im Bewachungsgewerbe geregelt?
Antwort: Es besteht ein generelles Verbot.

E11) Wie müssen Schusswaffen geführt werden?
Antwort:- sie sind nur in geeigneten Trageeinrichtungen zu führen
- sie müssen außer bei drohender Gefahr gesichert sein
- das Patronenlager muss außerhalb des Einsatzes frei sein (Ausnahme: Konstruktionsbedingt kann sich bei entspanntem Hahn kein Schuss lösen)

E12) Wie muss die Schießfertigkeit nachgewiesen werden? 
Antwort: Die mit Schusswaffen ausgerüsteten Sicherungskräfte müssen mindestens viermal jährlich im
Quartalsabstand nachweislich erfolgreich an Schießübungen teilnehmen.

Fragen zur Sachkunde nach §34a

E13) Was ist beim Be-und Entladen von Geldtransportfahrzeugen in öffentlich zugänglichen Bereichen zu beachten?
Antwort: Die verriegelten Fahrzeugteile müssen mit mindestens einer Person besetzt sein.

E14) Welche Eignung müssen für den Geldtransport eingesetzte Sicherungskräfte haben?
Antwort: Sie müssen mindestens 18 Jahre alt, nachweislich zuverlässig und besonders ausgebildet und eingewiesen sein.

E15) Unter welchen Voraussetzungen sind erhebliche Mängel in der Arbeitssicherheit von den Sicherungskräften unverzüglich selbst abzustellen? 
Antwort: Wenn es für sie möglich, zumutbar und zulässig ist.

E16) Wie muss sich die Sicherungskraft bei erkennbar sicherheitswidrigen Weisungen verhalten? 
Antwort: Sie dürfen nicht befolgt werden.

E17) Wann müssen Sicherungskräfte “Persönliche Schutzausrüstungen“ tragen?
Antwort: Im Einsatz immer

E18) Welche vier Maßnahmen folgen nach einem Arbeitsunfall außer der Ersten Hilfe?
Antwort:
a) Meldung des Verunfallten an den Arbeitgeber
b) Eintragung in das Verbandbuch
c) Vorstellung des Verunfallten beim Durchgangsarzt, wenn die Arbeitsunfähigkeit länger als am Unfalltag dauert
d) Unfallanzeige des Arbeitgeber an die BG, wenn die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Tage dauert

E19) Was ist ein Sicherheitszeichen? 
Antwort: Ein Sicherheitszeichen ist ein Zeichen, das durch Kombination von geometrischer Form und Farbe sowie Bildzeichen eine bestimmte Sicherheits- und Gesundheitsschutzaussage ermöglicht.

E20) Ist dieses ein Brandschutzzeichen (roter Kreis) und welche Bedeutung hat es?
Antwort: Nein, dieses ist ein Verbotszeichen

E21) Welche Farbe hat ein Gebotszeichen?
Antwort: Ein Gebotszeichen hat die Farbe Blau

E22) Welche Grundbedeutung hat ein dreieckiges, gelbes Sicherheitszeichen?
Antwort: Warnung

E23) Was sind die Ziele des Brandschutzes?
Antwort:
- Brände verhüten
- Ausdehnung von Bränden verhindern
- Menschen und Sachwerte vor Bränden schützen
- Brände erfolgreich bekämpfen

E24) Was gehört u. a. zum baulichen Brandschutz?
Antwort:
- Verwendung von Baustoffen nach Baustoffklassen und von Bauteilen nach Feuerwiderstandsklassen
- Einhaltung von Gebäudeabständen
- Einrichtung von Brandmelde- und Warnanlagen
- Einrichtung von ortsfesten Feuerlöschanlagen

Fragen zur Sachkunde nach §34a

E25) Welche Maßnahmen des betrieblichen Brandschutzes kennen Sie u. a.?
Antwort:
- Erstellen einer Brandschutzordnung und Einweisung aller Mitarbeiter
- Ausstattung mit tragbaren Feuerlöschern
- Durchführung von Brandverhütungsschauen
- Erstellen von mehrsprachigen Alarmierungs- und Evakuierungstexten

E26) Wozu erfolgt die Einteilung brennbarer Stoffe in Brandklassen?
Antwort: Für die Auswahl der richtigen Löschmittel.

E27) In welcher Reihenfolge muss bei Brandausbruch gehandelt werden?
Antwort:
- Brand melden
- Menschen retten
- Brand bekämpfen

E28) Welches sind beispielsweise Kontrollschwerpunkte für Sicherheitsmitarbeiter im Brandschutz?
Antwort:
- Überprüfen der Vollzähligkeit und Unversehrtheit der Feuerlöscheinrichtungen
- Verhindern, dass Löscheinrichtungen und andere Rettungsmittel zweckentfremdet genutzt werden
- Überprüfen der Brandschutztüren auf Funktionalität und freie Begehbarkeit
- Freihalten der Fluchtwege und Überprüfen des sachgerechten Verschlusses von Flucht- und Rettungstüren
- Nachschauen nach Arbeiten mit thermischen Verfahren
- Freihalten der Feuerwehrzufahrten und -stellplätze

Fragen zur Sachkunde nach §34a


Straf- und Verfahrensrecht
F01) Welches Jedermannsrecht ist in der StPO aufgeführt?
Antwort: Das Recht der vorläufigen Festnahme, § 127 Abs.1 StPO

F02) Welche Regelungen sind noch in der StPO enthalten, die für jedermann von grundsätzlicher
Bedeutung sind?
Antwort: Die Rechte und Pflichten des Beschuldigten und des Zeugen

F03) Aus welchen beiden Teilen besteht das Strafgesetzbuch (StGB)?
Antwort: Allgemeiner Teil und Besonderer Teil.

F04) Welche Regelungen sind enthalten
a. im allgemeinen Teil des Strafgesetzbuchs ?
b. im besonderen Teil des Strafgesetzbuchs ?
Antwort:
a. Der allgemeine Teil enthält allgemeine Regelungen, die für alle Tatbestände des besonderen Teils gelten.
b. Der besondere Teil enthält die Straftatbestände.

F05) Sind alle Straftatbestände im Strafgesetzbuch enthalten ?
Antwort: Nein. Auch Nebengesetze enthalten Straftatbestände, wie z.B. das Waffengesetz.

F06) Aus welchen 4 Elementen besteht eine verfolgbare Straftat?
Antwort:
- Tatbestandsmäßigkeit
- Rechtswidrigkeit
- Schuld
- Verfahrensvoraussetzungen

F07) Aus welchen beiden Elementen besteht die Tatbestandsmäßigkeit?
Antwort: Objektiver und subjektiver Tatbestand

F08) Was setzen die meisten Straftatbestände im subjektiven Tatbestand voraus?
Antwort: Vorsatz

F09) In welchen 4 Hauptbereichen ist auch die fahrlässige Begehung eines Straftatbestandes
strafbar?
Antwort: Leben, Körper, Umwelt, Brand

F10) In welchem Rechtsgebiet / Gesetz sprechen wir von
a. Rechtswidrigkeit ?
b. Widerrechtlichkeit ?
Antwort:
a. Strafrecht/StGB
b. Zivilrecht/BGB

F11) In welchen Gesetzen finden wir Rechtfertigungsgründe / Jedermannsrechte?
Antwort: StGB, StPO, BGB

F12) Welches Jedermannsrecht finden wir inhaltsgleich in 2 Gesetzen? Welche Rechtsfolgen treten
ein?
Antwort:
- Notwehr, § 32 StGB: es entfällt die Rechtswidrigkeit, es kann keine Bestrafung erfolgen
- Notwehr, § 227 BGB: es entfällt die Widerrechtlichkeit, es muss z.B. kein Schadensersatz gezahlt werden.

F13) Ab welchem Alter ist ein Kind schuldfähig?
Antwort: § 19 StGB: 14 Jahre

Fragen zur Sachkunde nach §34a

F14) Aus welchem Grund kann ein Erwachsener schuldunfähig sein?
Antwort: § 20 StGB: krankhafte seelische Störung
F15) Welcher Verfahrensvoraussetzung bedarf es bei einem absoluten Antragsdelikt?
Antwort: Strafantrag

F16) Nennen Sie Verfahrenshindernisse !
Antwort:
- Rücknahme des Strafantrags bei absolutem Antragsdelikt
- Tod des Beschuldigten
- Dauerhafte Verhandlungsunfähigkeit des Angeklagten
- Verjährung

F17) Warum gilt der Grundsatz: „Keine Strafe ohne Gesetz“?
Antwort: Es schützt den Bürger vor willkürlicher Bestrafung. Der Bürger kann erkennen, was verboten ist.

F18) Was unterscheidet Verbrechen und Vergehen?
Antwort: Verbrechen werden im Mindestmaß mit einer Strafe von einem Jahr bedroht; Vergehen mit geringeren
Freiheitsstrafen oder Geldstrafe.

F19) Weshalb muss zwischen Verbrechen und Vergehen unterschieden werden?
Antwort: Verbrechen sind immer Offizialdelikte. Bei Verbrechen ist immer der Versuch strafbar.

F20) Nennen Sie die für das Sicherheitsgewerbe relevanten Verbrechen !
Antwort:
Meineid § 154 StGB
Schwere Körperverletzung § 226 StGB
Raub § 249 StGB
Räuberischer Diebstahl § 252 StGB
Räuberische Erpressung § 255 StGB
Brandstiftung § 306 StGB

F21) Was ist eine Handlung im Rechtssinne?
Antwort: Eine Handlung ist ein vom Willen getragenes menschliches Verhalten.

F22) Kann eine Straftat auch durch Unterlassen begangen werden?
Antwort: Ja, wenn eine Rechtspflicht zum Handeln besteht.

F23) Welche beiden Formen von Unterlassungsdelikten gibt es?
Antwort: Es gibt echte und unechte Unterlassungsdelikte.

F24) Nennen Sie ein echtes Unterlassungsdelikt!
Antwort: Unterlassene Hilfeleistung; § 323 c StGB.

F25) Woraus können sich Pflichten zum Tätigwerden (Garantenpflichten) ergeben?
Antwort: Vertrag, Schaffung von Gefahren (Ingerenz), Gesetz, enger natürlicher Verbundenheit.

F26) Was setzen die meisten Tatbestände im subjektiven Tatbestand voraus?
Antwort: Vorsatz

F27) Wie wird Vorsatz in der Kurzfassung definiert?
Antwort: Wissen und Wollen der Verwirklichung des Tatbestandes. Der Täter weiß, was er macht und will auch den zum Tatbestand gehörenden Erfolg.

F28) In welchen 4 Hauptbereichen ist auch eine fahrlässige Begehung eines Straftatbestandes strafbar? 
Antwort: Leben, Körper, Umwelt, Brand. 

Fragen zur Sachkunde nach §34a

F29) Ist bei jedem Straftatbestand der Versuch strafbar ? 
Antwort: Bei einem Verbrechen ist der Versuch stets strafbar; bei einem Vergehen nur bei einer gesonderten Regelung.

F30) Was ist für einen Versuch kennzeichnend?
Antwort: Der Täter setzt nach seiner Vorstellung von Tat zur Verwirklichung des Tatbestandes unmittelbar an. Er 
überschreitet die Schwelle des „Jetzt geht es los“.

F31) Welche Täterschaftsformen gibt es?
Antwort:
Alleintäterschaft,
Mittäterschaft und mittelbare Täterschaft.

F32) Welche Teilnahmeformen gibt es?
Antwort: Anstiftung und Beihilfe.

F33) Was ist Offizialdelikt?
Antwort: Ein Delikt, welches der Staat von Amtswegen verfolgen muss. Alle Verbrechen und die meisten Vergehen sind Offizialdelikte.

F34) Was ist ein Privatklagedelikt?
Antwort: Der Staat überlässt es dem Opfer, gegen den Täter vorzugehen. Insbesondere bei geringen Nachbarstreitigkeiten ist dieses der Fall.

F35) Welche beide Formen von Antragsdelikten kennen Sie und wie unterscheiden sie sich?
Antwort: Beim absoluten Antragsdelikt darf der Staat nur verfolgen, wenn der Antragsberechtigte einen Strafantragstellt. Beim relativen Antragsdelikt darf der Staat auch ohne Strafantrag verfolgen, wenn ein besonderes öffentliches Interesse vorliegt.

F36) Welche Formalien sind hinsichtlich des Strafantrags zu beachten? 
Antwort: Der Strafantrag muss schriftlich gestellt werden. Er muss binnen drei Monaten nach Kenntniserlangung von Tat und Täter gestellt werden.

F37) Nennen Sie absolute Antragsdelikte ! 
Antwort: Hausfriedensbruch, Beleidigung, Haus- und Familiendiebstahl.

F38) Was bewirkt die Rücknahme des Strafantrags bei einem absoluten Antragsdelikt? 
Antwort: Es fehlen die Prozessvoraussetzungen. Die Straftat darf nicht mehr verfolgt werden. Das Verfahren muss eingestellt werden. Der Antragssteller trägt ein Kostenrisiko.

F39) Welche Hauptstrafen gibt es? 
Antwort: Geld- und Freiheitsstrafe.

F40) Nennen Sie Mindest- und Höchstmaß der Geldstrafe und der zeitigen Freiheitsstrafe! 
Antwort: Geldstrafe:5 bis 720 Tagessätze zu je 1 bis 5000 Euro; Freiheitsstrafe: 1 Monat bis 15 Jahre.


Kontrollfragen (Hausfriedensbruch, § 123 StGB)

F41) Welches Rechtsgut und welche Räumlichkeiten schützt der Straftatbestand des Hausfriedensbruchs? 
Antwort: Der Tatbestand des Hausfriedensbruchs schützt das Hausrecht. Geschützte Räumlichkeiten sind Wohnungen, Geschäftsräume, das befriedete Besitztum und andere abgeschlossene Räume, welche zum öffentlichen Dienst oder Verkehr bestimmt sind.

F42) Welche Tathandlungen sind im objektiven Tatbestand beschrieben? 
Antwort: widerrechtlich eindringen oder ohne Befugnis verweilen und sich auf die Aufforderung des Berechtigten nicht entfernen

Fragen zur Sachkunde nach §34a

F43) Erfüllt es den Tatbestand des Hausfriedensbruchs, sich mit der wahrheitswidrigen Behauptung Zutritt zu einer Wohnung gewähren zu lassen, man müsse die Wasseruhren ablesen?Antwort: Nein. Es liegt kein widerrechtliches Eindringen vor, da der Hausrechtsinhaber den Zutritt zur Wohnung gewährt hat.

F44) Erfüllt es den Tatbestand des Hausfriedensbruchs, ein Kaufhaus in der Absicht zu betreten, dort etwas zu stehlen?
Antwort: Nein. Es liegt kein widerrechtliches Eindringen vor, da eine generelle Zutrittserlaubnis für jedermann besteht, solange kein Hausverbot erteilt wurde.

F45) Ist der fahrlässige Hausfriedensbruch strafbar?
Antwort: Gemäß § 15 StGB ist grundsätzlich nur vorsätzliches Handeln strafbar, fahrlässiges Handeln jedoch nur, wenn das Gesetz es ausdrücklich vorsieht. Mithin ist der fahrlässige Hausfriedensbruch straflos, da er im Text des § 123 StGB nicht genannt ist.

F46) Ist der versuchte Hausfriedensbruch strafbar? 
Antwort: Gemäß § 12 Abs. 2 StGB ist der Hausfriedensbruch ein Vergehen. Der versuchte Hausfriedensbruch ist gemäß § 23 Abs. 1 StGB straflos, da der Versuch im Text des § 123 StGB nicht genannt ist.

F47) Was für ein Delikt ist der Hausfriedensbruch? 
Antwort: Vergehen, absolutes Antragsdelikt, Privatklagedelikt 

Kontrollfragen (Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten, § 126 StGB) 

F48) Welches Rechtsgut schützt die Vorschrift?
Antwort: Geschütztes Rechtsgut ist der öffentliche Frieden.

F49) Ist die fahrlässige Störung des öffentlichen Friedens strafbar ?
Antwort: Gemäß § 15 StGB ist grundsätzlich nur vorsätzliches Handeln strafbar, fahrlässiges Handeln jedoch nur, wenn das Gesetz es ausdrücklich vorsieht. Mithin ist die fahrlässige Störung des öffentlichen Friedens straflos, da sie im Text des § 126 StGB nicht genannt ist.

F50) Sind sogenannte Bombendrohungen bzw. Schreckanrufe nach § 126 StGB strafbar? 
Antwort: Unter eine Bombendrohung ist die Androhung einer Sprengstoffexplosion gemäß § 126 Abs. 1 Nr. 6 StGB zu verstehen. Der Schreckanruf fällt unter § 126 Abs. 2 StGB, so dass Bombendrohung und Schreckanruf nach § 126 StGB strafbar sind.

F51) Ist die versuchte Störung des öffentlichen Friedens strafbar ? 
Antwort: Gemäß § 12 Abs. 2 StGB ist die Störung des öffentlichen Friedens ein Vergehen. Die versuchte Störung des öffentlichen Friedens ist gemäß § 23 Abs. 1 StGB straflos, da der Versuch im Text des § 126 StGB nicht genannt ist.

F52) Was für ein Delikt ist die Störung des öffentlichen Friedens? 
Antwort: Vergehen, Offizialdelikt


Kontrollfragen (Amtsanmaßung, § 132 StGB)

F53) Welches Rechtsgut schützt die Vorschrift?
Antwort: Die Vorschrift schützt die staatliche Organisation und Staatsgewalt vor unbefugter Ausübung eines öffentlichen Amtes. Ferner schütz die Vorschrift die Allgemeinheit vor falschen Befugnis-Inhabern.

F54) Ist die fahrlässige Amtsanmaßung strafbar? 
Antwort: Gemäß § 15 StGB ist grundsätzlich nur vorsätzliches Handeln strafbar, fahrlässiges Handeln jedoch nur, wenn das Gesetz es ausdrücklich vorsieht. Mithin ist die fahrlässige Amtsanmaßung straflos, da sie im Text des § 132 StGB nicht genannt ist.

Fragen zur Sachkunde nach §34a

F55) Ist die versuchte Amtsanmaßung strafbar? 
Antwort: Gemäß § 12 Abs. 2 StGB ist die Amtsanmaßung ein Vergehen. Die versuchte Amtsanmaßung ist gemäß § 23 Abs. 1 StGB straflos, da der Versuch im Text des § 132 StGB nicht genannt ist.

F56) Was für ein Delikt ist die Amtsanmaßung? 
Antwort: Vergehen, Offizialdelikt


Kontrollfragen (Missbrauch von Titeln, § 132a StGB)

F57) Welches Rechtsgut schützt die Vorschrift?
Antwort: Die Vorschrift schützt die Allgemeinheit vor dem Auftreten von Personen, die einen falschen Schein erwecken.

F58) Ist der fahrlässige Missbrauch von Titeln strafbar? 
Antwort: Gemäß § 15 StGB ist grundsätzlich nur vorsätzliches Handeln strafbar, fahrlässiges Handeln jedoch nur, wenn das Gesetz es ausdrücklich vorsieht. Mithin ist der fahrlässige Missbrauch von Titeln straflos, da er im Text des § 132a StGB nicht genannt ist.

F59) Ist der versuchte Missbrauch von Titeln strafbar?
Antwort: Gemäß § 12 Abs. 2 StGB ist der Missbrauch von Titeln ein Vergehen. Der versuchte Missbrauch von Titeln ist gemäß § 23 Abs. 1 StGB straflos, da der Versuch im Text des § 132a StGB nicht genannt ist.

F60) Was für ein Delikt ist der Missbrauch von Titeln?
Antwort: Vergehen, Offizialdelikt


Kontrollfragen (Nichtanzeige geplanter Straftaten)

F61) Welches Rechtsgut schützt die Vorschrift?
Antwort: Die Vorschrift schützt die staatliche Rechtspflege und das durch die geplante Tat geschützte Rechtsgut.

F62) Für welche Delikte besteht eine Anzeigepflicht?
Antwort: Grundsätzlich kann der Bürger jede Straftat anzeigen. Eine Pflicht besteht aber nur bei schweren Delikten wie z.B. Mord, Totschlag, Raub oder Brandstiftung.

F63) Ist die fahrlässige Nichtanzeige geplanter Straftaten strafbar?
Antwort: Ja, denn § 138 Abs. 3 StGB regelt ausdrücklich, dass die leichtfertige (=fahrlässige) Nichtanzeige geplanter Straftaten strafbar ist.

F64) Ist die versuchte Nichtanzeige geplanter Straftaten strafbar?
Antwort: Gemäß § 12 Abs. 2 StGB ist die Nichtanzeige geplanter Straftaten ein Vergehen. Die versuchte Nichtanzeige geplanter Straftaten ist gemäß § 23 Abs. 1 StGB straflos, da der Versuch im Text des § 138 StGB nicht genannt ist.

F65) Was für ein Delikt ist die Nichtanzeige geplanter Straftaten?
Antwort: Vergehen, Offizialdelikt


Kontrollfragen (Missbrauch von Notrufen)

F66) Welches Rechtsgut schützt die Vorschrift?
Antwort: Die Vorschrift schützt das Funktionieren der Notruf- und Rettungssysteme

F67) Ist der fahrlässige Missbrauch von Notrufen strafbar?
Antwort: Gemäß § 15 StGB ist grundsätzlich nur vorsätzliches Handeln strafbar, fahrlässiges Handeln jedoch nur, wenn das Gesetz es ausdrücklich vorsieht. Mithin ist der fahrlässige Missbrauch von Notrufen straflos, da er im Text des § 145 StGB nicht genannt ist.

Fragen zur Sachkunde nach §34a

F68) Ist der versuchte Missbrauch von Notrufen strafbar?
Antwort: Gemäß § 12 Abs. 2 StGB ist der Missbrauch von Notrufen ein Vergehen. Der versuchte Missbrauch von Notrufen ist gemäß § 23 Abs. 1 StGB straflos, da der Versuch im Text des § 145 StGB nicht genannt ist.

F69) Was für ein Delikt ist der Missbrauch von Notrufen?
Antwort: Vergehen, Offizialdelikt


Kontrollfragen (Falsche uneidliche Aussage)
F70) Welches Rechtsgut schützt die Vorschrift?
Antwort: Die Vorschrift schützt die staatliche Rechtspflege, die durch falsche Aussagen gefährdet wird.

F71) Ist die fahrlässige Falsche uneidliche Aussage strafbar?
Antwort: Gemäß § 15 StGB ist grundsätzlich nur vorsätzliches Handeln strafbar, fahrlässiges Handeln jedoch nur, wenn das Gesetz es ausdrücklich vorsieht. Mithin ist die fahrlässige Falsche uneidliche Aussage straflos, da sie im Text der §§ 153, 163 StGB nicht genannt ist.

F72) Ist die versuchte Falsche uneidliche Aussage strafbar?
Antwort: Gemäß § 12 Abs. 2 StGB ist die Falsche uneidliche Aussage ein Vergehen. Die versuchte Falsche uneidliche Aussage ist gemäß § 23 Abs. 1 StGB straflos, da der Versuch im Text des § 153 StGB nicht genannt ist.

F73) Was für ein Delikt ist die Falsche uneidliche Aussage? 
Antwort: Vergehen, Offizialdelikt


Kontrollfragen (Meineid)
F74) Ist der fahrlässige Falscheid strafbar?
Antwort: Gemäß § 15 StGB ist zwar grundsätzlich nur vorsätzliches Handeln strafbar. Der fahrlässige Falscheid ist aber gemäß § 163 StGB strafbar.

F75) Ist der versuchte Meineid strafbar?
Antwort: Gemäß § 12 Abs. 1 StGB ist der Meineid ein Verbrechen. Der versuchte Meineid ist also gemäß § 23 Abs. 1 StGB strafbar.

F76) Was für ein Delikt ist der Meineid? 
Antwort: Qualifikation der Falschen uneidlichen Aussage Verbrechen

Kontrollfragen (Falsche Verdächtigung)
F77) Welches Rechtsgut schützt die Vorschrift?
Antwort: Die Vorschrift schützt die inländische, staatliche Rechtspflege und den Unschuldigen vor irrtumsbedingten, staatlichen Maßnahmen.

F78) Die Polizei ermittelt nach einer Trunkenheitsfahrt gegen den Fahrer und den Beifahrer. Der Fahrer behauptet bei einer Befragung durch die Polizei wahrheitswidrig
a.) er sei nicht gefahren
b.) der Beifahrer sei gefahren.
Erfüllen beide Alternativen den Tatbestand der falschen Verdächtigung?
Antwort: Das bloße Bestreiten der Täterschaft ist nach § 136 Abs. 1 Satz 2 StPO das prozessuale Recht des Beschuldigten und erfüllt nicht den Tatbestand der falschen Verdächtigung. Allerdings lässt dieses Recht nicht zu, wahrheitswidrig zu behaupten, der Beifahrer sei gefahren. Dieses erfüllt den Tatbestand der falschen Verdächtigung.

F79) Genügt zur Erfüllung des subjektiven Tatbestandes der falschen Verdächtigung ein Vorsatz?
Antwort: Nein. Der Täter muss zusätzlich wider besseres Wissen und in der Absicht der Herbeiführung eines behördlichen Verfahrens handeln.

Fragen zur Sachkunde nach §34a

F80) Ist die fahrlässige falsche Verdächtigung strafbar? 
Antwort: Gemäß § 15 StGB ist grundsätzlich nur vorsätzliches Handeln strafbar, fahrlässiges Handeln jedoch nur, wenn das Gesetz es ausdrücklich vorsieht. Mithin ist die fahrlässige falsche Verdächtigung straflos, da sie im Text des § 164 StGB nicht genannt ist.

F81) Ist die versuchte falsche Verdächtigung strafbar?
Antwort: Gemäß § 12 Abs. 2 StGB ist die falsche Verdächtigung ein Vergehen. Die versuchte falsche Verdächtigung ist gemäß § 23 Abs. 1 StGB straflos, da der Versuch im Text des § 164 StGB nicht genannt ist.

F82) Was für ein Delikt ist die falsche Verdächtigung?
Antwort: Vergehen, Offizialdelikt


Kontrollfragen (Beleidigung)

F83) Welches Rechtsgut schützt die Beleidigung?
Antwort: Die Beleidigung schützt die persönliche Ehre, also den inneren Wert und die Würde des Menschen.

F84) Macht sich ein Verteidiger wegen Beleidigung strafbar, wenn er in einer Gerichtsverhandlung den Belastungszeugen als unverschämten Lügner und Lügenbaron bezeichnet, der den Angeklagten völlig zu Unrecht belastet?
Antwort: Nein. Zwar erfüllt sein Verhalten den Tatbestand der Beleidigung; sein Verhalten ist aber gemäß § 193 StGB nicht rechtswidrig, da er seine Ausführungen zur Verteidigung von Rechten macht.

F85) Ist die fahrlässige Beleidigung strafbar? 
Antwort: Gemäß § 15 StGB ist grundsätzlich nur vorsätzliches Handeln strafbar, fahrlässiges Handeln jedoch nur, wenn das Gesetz es ausdrücklich vorsieht. Mithin ist die fahrlässige Beleidigung straflos, da sie im Text des § 185 StGB nicht genannt ist.

F86) Ist die versuchte Beleidigung strafbar?
Antwort: Gemäß § 12 Abs. 2 StGB ist die Beleidigung ein Vergehen. Die versuchte Beleidigung ist gemäß § 23 Abs. 1 StGB straflos, da der Versuch im Text des § 185 StGB nicht genannt ist.

F87) Was für ein Delikt ist die Beleidigung?
Antwort: Vergehen, absolutes Antragsdelikt, Privatklagedelikt


Kontrollfragen (Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes)

F88) Welches Rechtsgut schützt die Vorschrift?
Antwort: Die Vorschrift schützt das vertrauliche Gespräch der Menschen untereinander.

F89) Ist jede Aufnahme eines nichtöffentlich gesprochenen Wortes rechtswidrig? 
Antwort: § 201 Abs. 2 StGB verlangt eine Interessenabwägung zur Feststellung der Rechtswidrigkeit. Weicht das Interesse am Schutz der Intimsphäre vor überragenden öffentlichen Interessen wie z.B. der Aufklärung eines Verbrechens zurück, kann die Aufzeichnung rechtmäßig sein.

F90) Sie telefonieren mit einem Handy, welches ein "Notizbuchfunktion" hat. Durch Betätigung der Aufnahmetaste zeichnen Sie einen Teil des Telefonats auf. Erfüllt eine solche Aufzeichnung das Delikt der Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes?
Antwort: Die Aufnahme des Gespräch ist für den anderen Gesprächsteilnehmer durch einen Signal-Ton wahrnehmbar. Da er durch Fortsetzung des Gesprächs in die Aufnahme einwilligt, ist die Aufnahme nicht strafbar.

F91) Ist die fahrlässige Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes strafbar?
Antwort: Gemäß § 15 StGB ist grundsätzlich nur vorsätzliches Handeln strafbar, fahrlässiges Handeln jedoch nur,
wenn das Gesetz es ausdrücklich vorsieht. Mithin ist die fahrlässige Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes straflos, da sie im Text des § 201 StGB nicht genannt ist.

Fragen zur Sachkunde nach §34a 

F92) Ist die versuchte Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes strafbar? 
Antwort: Gemäß § 12 Abs. 2 StGB ist die Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes ein Vergehen. Die versuchte Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes ist gemäß § 23 Abs. 1 StGB strafbar, da der Versuch im Text des § 201 Abs. 4 StGB genannt ist.

F93) Was für ein Delikt ist die Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes? 
Antwort: Vergehen, absolutes Antragsdelikt


Kontrollfragen (Verletzung des Briefgeheimnisses)

F94) Ein Vater öffnet einen an seine 7-jährige Tochter gerichteten Brief eines Klassenkameraden der Tochter. Macht sich der Vater wegen Verletzung des Briefgeheimnisses strafbar?
Antwort: Zwar öffnet der Vater einen verschlossenen Brief; sein Verhalten ist aber nicht unbefugt, da er Briefe seiner Kinder im Rahmen der ihm obliegenden, elterlichen Sorge gemäß § 1631 BGB öffnen darf.

F95) Eine Reinigungskraft öffnet zum Zwecke der Reinigung eine Schublade eines Schreibtisches und sieht dabei ein Schriftstück. Macht sich die Reinigungskraft nach § 202 StGB strafbar?
Antwort: Da die Reinigungskraft die Schublade nicht zu dem Zweck geöffnet hat, unbefugt vom Inhalt eines Schriftstückes Kenntnis zu nehmen, macht sie sich nicht nach § 202 StGB wegen Verletzung des Briefgeheimnisses strafbar.

F96) Ist die fahrlässige Verletzung des Briefgeheimnisses strafbar?
Antwort: Gemäß § 15 StGB ist grundsätzlich vorsätzliches Handeln strafbar, fahrlässiges Handeln jedoch nur, wenn das Gesetz es ausdrücklich vorsieht. Mithin ist die fahrlässige Verletzung des Briefgeheimnisses straflos, da sie im Text des § 202 StGB nicht genannt ist.

F97) Ist die versuchte Verletzung des Briefgeheimnisses strafbar? 
Antwort: Gemäß § 12 Abs. 2 StGB ist die Verletzung des Briefgeheimnisses ein Vergehen. Die versuchte Verletzung des Briefgeheimnisses ist gemäß § 23 Abs. 1StGB straflos, da der Versuch im Text des § 202 StGB nicht genannt ist.

F98) Was für ein Delikt ist die Verletzung des Briefgeheimnisses?
Antwort: Vergehen, absolutes Antragsdelikt, Privatklagedelikt


Kontrollfragen (Ausspähen von Daten)

F99) Welches Rechtsgut schützt die Vorschrift? 
Antwort: Die Vorschrift schützt Datenbank- und Datenverarbeitungssysteme vor unbefugten Zugriffen.

F100) Ist der Begriff "Daten" im Sinne des § 43 BDSG und im Sinne des § 202a StGB identisch?
Antwort: Bei § 43 BDSG geht es um personenbezogene Daten; bei § 202a StGB geht es um alle Daten.

F101) Sie geben ihren PC in die Werkstatt. Dort wird eine Sicherheitskopie aller Daten auf ihrer Festplatte gefertigt. Ist dieses Verhalten nach § 202a StGB strafbar? 
Antwort: Zwar verschafft sich der Mitarbeiter der PC-Werkstatt Daten, die nicht für ihn bestimmt sind. Allerdings ist sein Verhalten nicht unbefugt, so dass er sich nicht nach § 202a StGB wegen Ausspähens von Daten strafbar macht.

F102) Ist das fahrlässige Ausspähen von Daten strafbar? 
Antwort: Gemäß § 15 StGB ist grundsätzlich nur vorsätzliches Handeln strafbar, fahrlässiges Handeln jedoch nur, wenn das Gesetz es ausdrücklich vorsieht. Mithin ist das fahrlässige Ausspähen von Daten straflos, da es im Text des § 202a StGB nicht genannt ist.

F103) Ist das versuchte Ausspähen von Daten strafbar? 
Antwort: Gemäß § 12 Abs. 2 StGB ist das Ausspähen von Daten ein Vergehen. Das versuchte Ausspähen von Daten ist gemäß § 23 Abs. 1 StGB straflos, da der Versuch im Text des § 202a StGB nicht genannt ist.

Fragen zur Sachkunde nach §34a

F104) Was für ein Delikt ist das Ausspähen von Daten? 
Antwort: Vergehen, absolutes Antragsdelikt


Kontrollfragen (Körperverletzung)

F105) Welches Rechtsgut schützt die Vorschrift?
Antwort: Die Vorschrift schützt die körperliche Unversehrtheit des Menschen unter Einschluss seines körperlichen und gesundheitlichen Wohlbefindens.

F106) Warum kann der Arzt, der seinem Patienten ordnungsgemäß eine Spritze gibt, nicht wegen Körperverletzung bestraft werden?
Antwort: Zwar erfüllt der Arzt den Tatbestand der Körperverletzung in Form der körperlichen Misshandlung. Der Patient hat aber gemäß § 228 StGB eingewilligt, so dass der Arzt nicht rechtswidrig handelt.

F107) Ein Detektiv eines Warenhauses einigt sich mit einem 15-jährigen Dieb darauf, von einer Strafanzeige Abstand zu nehmen und dem Dieb zur Ahndung seiner Tat eine kräftige Ohrfeige zu geben. Kann der Detektiv wegen Körperverletzung bestraft werden? 
Antwort: Die Ohrfeige erfüllt den Tatbestand der Körperverletzung in Form einer körperlichen Misshandlung. Die Einwilligung des Diebes ist gemäß § 228 StGB unwirksam, da sie gegen die guten Sitten verstößt, so dass der Detektiv rechtswidrig handelt und wegen Körperverletzung bestraft werden kann.

F108) Ist die fahrlässige Körperverletzung strafbar?
Antwort: Ja, denn § 229 StGB regelt ausdrücklich, dass die fahrlässige Körperverletzung strafbar ist.

F109) Ist die versuchte Körperverletzung strafbar?
Antwort: Gemäß § 12 Abs. 2 StGB ist die Körperverletzung ein Vergehen. Die versuchte Körperverletzung ist gemäß § 23 Abs. 1 StGB strafbar, da der Versuch im Text des § 223 Abs. 2 StGB genannt ist.

F110) Was für ein Delikt ist die Körperverletzung? 
Antwort: Vergehen, relatives Antragsdelikt, Privatklagedelikt


Kontrollfragen (Gefährliche Körperverletzung)

F111) Weshalb wird die Gefährliche Körperverletzung gemäß § 224 StGB höher bestraft als die Körperverletzung gemäß § 223 StGB?
Antwort: Weil die gefährliche Körperverletzung für das Opfer besonders gefährliche Begehensweisen beschreibt.

F112) Der Täter schlägt den Kopf des Opfers mit großer Gewalt gegen eine feste Mauer. Erfüllt dieses Verhalten den Tatbestand der §§ 223, 224 Abs. 1 Nr. 2 und 5 StGB?
Antwort: Das Verhalten stellt eine das Leben gefährdende Behandlung im Sinne der §§ 223, 224 Abs. 1 Nr. 5 StGB dar, da sie geeignet ist, lebensgefährliche Kopfverletzungen herbeizuführen. Da die Mauer nicht beweglich ist, stellt sie kein anderes gefährliches Werkzeug im Sinne der §§ 223, 224 Abs. 1 Nr. 2 StGB dar, so dass diese Alternative nicht erfüllt ist.

F113) A und B verabreden, C zu verprügeln. Die Schläge soll A dem C verpassen. B will daneben stehen und nur eingreifen, falls C sich wehrt. Machen sich A und B der Gefährlichen Körperverletzung gemäß §§ 223, 224 StGB schuldig? 
Antwort: Unabhängig davon, dass nur A die Schläge ausführt, erfüllen beide den Tatbestand der Gefährlichen Körperverletzung gemäß §§ 223, 224 Abs. 1 Nr. 4 StGB (mit einem anderen Beteiligten gemeinschaftlich). Denn das Opfer trifft zwei Angreifer an. Dadurch könnte es eingeschüchtert und in seiner Verteidigungsbereitschaft gehemmt sein.

F114) Ist die versuchte Gefährliche Körperverletzung strafbar? 
Antwort: Gemäß § 12 Abs. 2 StGB ist auch die Gefährliche Körperverletzung trotz der erhöhten Mindeststrafandrohung von sechs Monaten Freiheitsstrafe noch ein Vergehen. Die versuchte Gefährliche Körperverletzung ist aber gemäß §§ 224 Abs. 2, 23 Abs. 1 StGB strafbar.

Fragen zur Sachkunde nach §34a

F115) Was für ein Delikt ist die Gefährliche Körperverletzung? 
Antwort: Qualifikation der Körperverletzung, Vergehen, Offizialdelikt


Kontrollfragen (Freiheitsberaubung)

F116) Ist die fahrlässige Freiheitsberaubung strafbar? 
Antwort: Gemäß § 15 StGB ist grundsätzlich nur vorsätzliches Handeln strafbar, fahrlässiges Handeln jedoch nur, wenn das Gesetz es ausdrücklich vorsieht. Mithin ist die fahrlässige Freiheitsberaubung straflos, da sie im Text des § 239 StGB nicht genannt ist.

F117) Ein Detektiv ertappt eine ihm unbekannte Mutter bei einem Diebstahl, die 
a) ein Kleinkind (4 Monate alt) im Kinderwagen bei sich hat. 
b) ein schlafendes Kind (2 Jahre alt) im Buggy bei sich hat.
Um sich in Ruhe mit der Mutter unterhalten zu können, schließt der Detektiv den Kinderwagen bzw. Buggy mit dem Kind in einem Nebenraum seines Büros ein. Er untersagt der Mutter, zu ihrem Kind zu gehen, obwohl sie es ausdrücklich wünscht. Macht sich der Detektiv der Freiheitsberaubung schuldig?
Antwort: Es liegt weder hinsichtlich des Kleinkindes noch hinsichtlich der Mutter eine Freiheitsberaubung gemäß § 
239 StGB vor. Kleinkinder oder Schlafende sind nicht in der Lage, einen Fortbewegungswillen zu bilden, so dass sie als Tatobjekt nicht in Betracht kommen. Die Mutter wird nicht eingesperrt, da sie das Detektivbüro verlassen kann. Dass sie nicht zu ihrem Kleinkind gelassen wird, erfüllt möglicherweise den Tatbestand der Nötigung gemäß § 240 StGB.

F118) Ist die versuchte Freiheitsberaubung strafbar? Antwort: Gemäß § 12 Abs. 2 StGB ist die Freiheitsberaubung ein Vergehen. Die versuchte Freiheitsberaubung ist gemäß § 23 Abs. 1 StGB strafbar, da der Versuch im Text des § 239 Abs. 2 StGB genannt ist.

F119) Welches Rechtsgut schützt die Vorschrift? 
Antwort: Die Vorschrift schützt die freie Willensentschließung und Willensbetätigung bezogen auf die persönliche Fortbewegungsfreiheit, also die Freiheit, einen bestimmten Ort jederzeit ungehindert verlassen zu können.

F120) Was für ein Delikt ist die Freiheitsberaubung? Antwort: Vergehen, Offizialdelikt


Kontrollfragen (Nachstellung / Stalking)

F121) Eine berühmte Schauspielerin ist Opfer von Stalking geworden. Sie beauftragt ein Sicherheitsunternehmen dafür Sorge zu tragen, dass sich eine Sicherheitskraft „rund um die Uhr“ in ihrer Nähe aufhält und auf sie aufpasst. Macht sich die Sicherheitskraft des Stalkings strafbar? 
Antwort: Die Sicherheitskraft hält sich zwar beharrlich in der räumlichen Nähe der Schauspielerin auf und erfüllt objektiv und subjektiv den Tatbestand des § 238 StGB. Die Sicherheitskraft handelt aber nicht unbefugt und mithin nicht rechtswidrig, so dass ihr Verhalten straflos ist.

Kontrollfragen (Nötigung)

F122) Welches Rechtsgut schützt die Vorschrift?
Antwort: Die Vorschrift schützt die Freiheit der Willensentschließung und Willensbetätigung vor Angriffen, die mit Gewalt oder durch Drohung mit einem empfindlichen Übel begangen werden.

F123) Was bedeutet die Verwerflichkeitsklausel des § 240 Abs. 2 StGB? 
Antwort: Der Zweck des Nötigungserfolgs muss verwerflich sein. Es muss ein erhöhter Grad sittlicher Missbilligung 
vorliegen. Mit anderen Worten muss das Verhalten sozial unerträglich, unanständig bzw. verdammungswürdig sein, damit die Nötigung strafbar ist.

Fragen zur Sachkunde nach §34a

F124) Ist die fahrlässige Nötigung strafbar? 
Antwort: Gemäß § 15 StGB ist grundsätzlich nur vorsätzliches Handeln strafbar, fahrlässiges Handeln jedoch nur, wenn das Gesetz es ausdrücklich vorsieht. Mithin ist die fahrlässige Nötigung straflos, da sie im Text des § 240 StGB nicht genannt ist.

F125) Ist die versuchte Nötigung strafbar? 
Antwort: Gemäß § 12 Abs. 2 StGB ist die Nötigung ein Vergehen. Die versuchte Nötigung ist gemäß § 23 Abs. 1 StGB strafbar, da der Versuch im Text des § 240 Abs. 3 StGB genannt ist.

F126) Was für ein Delikt ist die Nötigung?
Antwort: Vergehen, Offizialdelikt


Kontrollfragen (Bedrohung)

F127) Welches Rechtsgut schützt die Vorschrift?
Antwort: Die Vorschrift schützt den Rechtsfrieden des Einzelnen.

F128) Ist die fahrlässige Bedrohung strafbar? 
Antwort: Gemäß § 15 StGB ist grundsätzlich nur vorsätzliches Handeln strafbar, fahrlässiges Handeln jedoch nur, wenn das Gesetz es ausdrücklich vorsieht. Mithin ist die fahrlässige Bedrohung straflos, da sie im Text des § 241 StGB nicht genannt ist.

F129) Ein Detektiv droht einem Dieb, der bereits häufig im vom Detektiv bewachten Kaufhaus gestohlen hat, 
a. ihm 10 Ohrfeigen zu geben, 
b. ihn in einem Fluss zu versenken,
wenn er ihn noch einmal beim Diebstahl erwischt. Macht sich der Detektiv der Bedrohung gemäß § 241 StGB strafbar? 
Antwort: Dem Dieb 10 Ohrfeigen zu geben, erfüllt den Tatbestand des Vergehens der Körperverletzung gemäß § 223 StGB, so dass diese Androhung keine Bedrohung im Sinne des § 241 StGB ist. Den Dieb in einem Fluss zu versenken, erfüllt den Tatbestand des Verbrechens des Totschlags gemäß § 212 StGB, so dass diese  Androhung eine Bedrohung im Sinne des § 241 StGB ist. Daneben kommt jeweils eine Bestrafung wegen (versuchter) Nötigung in Betracht.

F130) Ist die versuchte Bedrohung strafbar?
Antwort: Gemäß § 12 Abs. 2 StGB ist die Bedrohung ein Vergehen. Die versuchte Bedrohung ist gemäß § 23 Abs. 1 StGB straflos, da der Versuch im Text des § 241 StGB nicht genannt ist.

F131) Was für ein Delikt ist die Bedrohung?
Antwort: Vergehen, Offizialdelikt, Privatklagedelikt


Kontrollfragen (Diebstahl)

F132) Welches Rechtsgut schützt die Vorschrift?
Antwort: Die Vorschrift schützt das Eigentum.

F133) Oma Müller lässt ein wertvolles Buch auf der Parkbank liegen, auf der sie jeden Tag sitzt. Der Täter nimmt dieses Buch an sich, um es zu behalten. Macht er sich des Diebstahls oder der Unterschlagung strafbar? 
Antwort: Das Buch ist für den Täter eine fremde, bewegliche Sache. Da Oma Müller weiß, wo sie ihr Buch liegen ließ und folglich darauf zugreifen könnte, hat sie auch noch Gewahrsam an dem Buch. Der Täter bricht diesen Gewahrsam, so dass eine Wegnahme und mithin ein Diebstahl vorliegt.

F134) Erfüllt es den objektiven Tatbestand des Diebstahls, in einem Verbrauchermarkt ein Handy in die Jackentasche zu stecken?
Antwort: Der objektive Tatbestand des Diebstahls ist erfüllt, weil bei kleinen Gegenständen bereits im Einstecken eine Wegnahme zu sehen ist.

Fragen zur Sachkunde nach §34a

F135) Was setzt der subjektive Tatbestand des Diebstahls voraus?
Antwort: Der subjektive Tatbestand des Diebstahls verlangt Vorsatz und die Absicht, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen.

F136) Sind fahrlässiger Diebstahl und fahrlässige Unterschlagung strafbar?
Antwort: Gemäß § 15 StGB ist grundsätzlich nur vorsätzliches Handeln strafbar, fahrlässiges Handeln jedoch nur, wenn das Gesetz es ausdrücklich vorsieht. Mithin sind der fahrlässige Diebstahl und die fahrlässige Unterschlagung straflos, da sie im Text der §§ 242, 246 StGB nicht genannt sind.

F137) Sind versuchter Diebstahl und versuchte Unterschlagung strafbar?
Antwort: Gemäß § 12 Abs. 2 StGB sind beide Delikte Vergehen. Versuchter Diebstahl und versuchte Unterschlagung sind gemäß § 23 Abs. 1 StGB strafbar, da der Versuch in §§ 242 Abs. 2, 246 Abs. 3 StGB genannt ist.

F138) Was für Delikte sind Diebstahl und Unterschlagung? 
Antwort: 
- Vergehen 
- als Haus- und Familiendiebstahl absolutes Antragsdelikt 
- als Diebstahl geringwertiger Sachen relatives Antragsdelikt
- sonst Offizialdelikt


Kontrollfragen (Besonders schwerer Fall des Diebstahls)

F139) Ein Krankenpfleger macht sich des Diebstahls schuldig, indem er einem im Koma liegenden Patienten 20,- Euro stiehlt. Ist der Krankenpfleger auch wegen eines besonders schweren Falls des Diebstahls zu bestrafen?
Antwort: Zwar stiehlt der Krankenpfleger unter Ausnutzung der Hilflosigkeit im Sinne des § 243 Abs. 1 Satz 2 Nr. 6 StGB. Da er aber nur 20,00 Euro stiehlt, kann er gemäß § 243 Abs. 2 StGB nicht wegen eines besonders schweren Falls des Diebstahls bestraft werden.

F140) Ist die Aufzählung des besonders schweren Falls des Diebstahls in § 243 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 bis Nr. 7 StGB abschließend?
Antwort: Nein, die Aufzählung ist nicht abschließend, da es nur Regelbeispiele sind. Mithin kann es auch andere Tatbegehungen geben, die als unbeschriebene besonders schwere Fälle bestraft werden können.


Kontrollfragen (Diebstahl mit Waffen / Wohnungseinbruchsdiebstahl)

F141) Welches Rechtsgut schützt die Vorschrift?
Antwort: Ebenfalls das Eigentum, da Qualifikation des Diebstahls

F142) Was verlangt der subjektive Tatbestand des Diebstahls mit Waffen gemäß § 244 Abs. 1 Nr. b. StGB neben dem Vorsatz? 
Antwort: Der subjektive Tatbestand des Diebstahls mit Waffen gemäß § 244 Abs. 1 Nr. 1 b. StGB verlangt die Absicht, das Werkzeug oder Mittel zu verwenden.

143) Sind der versuchte Diebstahl mit Waffen bzw. der Wohnungseinbruchsdiebstahl strafbar?
Antwort: Gemäß § 12 Abs. 2 StGB sind es Vergehen. Der Versuch ist gemäß § 23 Abs. 1 StGB strafbar, da der Versuch in § 244 Abs. 2 StGB genannt ist.

F144) Ein Wachmann, der berechtigt eine Reizstoffsprühdose trägt, macht sich in der Form des Diebstahls schuldig, dass er einem Kollegen eine Zigarette stiehlt. Wird er wegen Diebstahls mit Waffen (Mindeststrafe 6 Monate!) bestraft?
Antwort: Da beim Diebstahl mit Waffen die Wertgrenze des § 243 Abs. 2 StGB von 50 Euro nicht gilt, ist der Wachmann wegen Diebstahls mit Waffen gemäß § 244 Abs. 1 Nr. 1 a. StGB zu bestrafen.

F145) Was für ein Delikt sind Diebstahl mit Waffen und Wohnungseinbruchsdiebstahl?
Antwort: Vergehen, Offizialdelikt

Fragen zur Sachkunde nach §34a


Kontrollfragen (Raub)

F146) Aus welchen beiden Tatbeständen setzt sich das Verbrechen des Raubes zusammen?
Antwort: Aus Nötigung und Diebstahl

F147) Ist der versuchte Raub strafbar? 
Antwort: Gemäß § 12 Abs. 1 StGB ist der Raub ein Verbrechen. Der versuchte Raub ist also gemäß § 23 Abs. 1 StGB strafbar.

F148) Was für ein Delikt ist der Raub? 
Antwort: Verbrechen, Offizialdelikt


Kontrollfragen (Räuberischer Diebstahl)

F149) Der räuberische Diebstahl setzt sich grundsätzlich aus Diebstahl und Nötigung zusammen. Welcher der beiden Tatbestände muss zeitlich zuerst begangen werden?
Gegen wen oder was muss die Gewalt gerichtet sein?
Antwort: Beim Räuberischen Diebstahl muss zunächst der Diebstahl begangen werden. Die zeitlich folgende Nötigung dient der Sicherung des Diebesguts. Dabei muss sich die Gewalt gegen eine Person richten.

F150) Ein Dieb merkt, dass er verfolgt wird. Der Dieb lässt das Diebesgut fallen. Kurz danach wird
der Dieb von einem Warenhausdetektiv vorläufig festgenommen. Der Festnahme widersetzt sich der Dieb mit Gewalt (Faustschläge gegen den Detektiv), um unerkannt flüchten zu können. Macht sich der Dieb des Räuberischen Diebstahls oder des Diebstahls sowie der Nötigung und Körperverletzung schuldig? 
Antwort: Da der Dieb das Diebesgut vor der Gewaltanwendung fallen ließ, setzte er die Gewalt nicht ein, um sich den Besitz des Diebesguts zu erhalten, sondern um zu flüchten. Mithin ist der Dieb nicht des Verbrechens des Räuberischen Diebstahls, sondern „nur“ der Vergehen des Diebstahls sowie der Nötigung und Körperverletzung schuldig.

F151) Was für ein Delikt ist der Räuberische Diebstahl? 
Antwort: Verbrechen; Offizialdelikt


Kontrollfragen (Betrug)

F152) Welches Rechtsgut schützt die Vorschrift? 
Antwort: Die Vorschrift schützt das Vermögen.

F153) Eine Bäuerin verkauft Dickmilch, die sie im Supermarkt kauft, als besonders wohlschmeckende Dickmilch der Tiere ihres Hofes mit einem Gewinn von 100%. Macht sie sich des Betruges strafbar? 
Antwort: Da die Dickmilch in Qualität, Beschaffenheit und Geschmack einwandfrei ist, täuscht die Bäuerin nicht 
über Tatsachen, sondern preist die Dickmilch nur falsch und marktschreierisch an. Ihr Verhalten erfüllt mangels Täuschens über Tatsachen mithin nicht den Tatbestand des Betruges, (ist aber nach anderen Verbraucherschutzvorschriften verboten)

F154) Was setzt der subjektive Tatbestand des Betruges voraus?
Antwort: Der subjektive Tatbestand des Betruges verlangt Vorsatz und die Absicht, sich oder einen Dritten rechtswidrig zu bereichern.

F155) Ist der fahrlässige Betrug strafbar? 
Antwort: Gemäß § 15 StGB ist grundsätzlich nur vorsätzliches Handeln strafbar, fahrlässiges Handeln jedoch nur, wenn das Gesetz es ausdrücklich vorsieht. Mithin ist der fahrlässige Betrug straflos, da er im Text des § 263 StGB nicht genannt ist.

F156) Ist der versuchte Betrug strafbar? 
Antwort: Gemäß § 12 Abs. 2 StGB ist der Betrug ein Vergehen. Versuchter Betrug ist gemäß § 23 Abs. 1 StGB strafbar, da der Versuch in § 263 Abs. 2 StGB genannt ist

Fragen zur Sachkunde nach §34a

F157) Ein drogenkranker Mann macht sich zur Finanzierung seines Drogenkonsums des Betruges schuldig, indem er ein gestohlenes Fahrrad im Wert von 45,00 Euro verkauft, ohne dem Käufer zu sagen, dass er kein Eigentum erwerben kann, da das Fahrrad gestohlen ist. Ist der Täter auch wegen eines besonders schweren Falls des Betruges gemäß § 263 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 StGB zu bestrafen? 
Antwort: Eine Bestrafung wegen eines besonders schweren Falls des Betruges kommt gemäß § 263 Abs. 4, 243 Abs. 2 StGB nicht in Betracht, da das Fahrrad wegen des Wertes von weniger als Euro 50,00 eine geringwertige Sache ist.

F158) Was für ein Delikt ist der Betrug?
Antwort:
- Vergehen
- als Haus- und Familienbetrug absolutes Antragsdelikt
- als Betrug geringwertiger Sachen relatives Antragsdelikt
- sonst Offizialdelikt


Kontrollfragen (Erpressung)

F159) Aus welchen beiden Tatbeständen enthält die Erpressung Elemente?
Antwort: Aus der Nötigung und aus dem Betrug

F160) Was setzt der subjektive Tatbestand der Erpressung voraus?
Antwort: Der subjektive Tatbestand der Erpressung verlangt Vorsatz und die Absicht, sich oder einen Dritten zu Unrecht zu bereichern.

F161) Ist die versuchte Erpressung strafbar? 
Antwort: Gemäß § 12 Abs. 2 StGB ist die Erpressung ein Vergehen. Die versuchte Erpressung ist gemäß § 23 Abs. 1 StGB strafbar, da der Versuch in § 253 Abs. 3 StGB genannt ist.

F162) Was für ein Delikt ist die Erpressung?
Antwort: Vergehen, Offizialdelikt


Kontrollfragen (Räuberische Erpressung)

F163) Gegen wen muss sich die Gewalt richten, damit wir statt von einer Erpressung von der Qualifikation der Räuberischen Erpressung sprechen können?
Antwort: Bei der Räuberischen Erpressung muss sich die Gewalt gegen eine Person richten.

F164) Was für ein Delikt ist die Räuberische Erpressung?
Antwort: Qualifikation der Erpressung; Verbrechen; Offizialdelikt.

Kontrollfragen (Begünstigung)

F165) Welches Rechtsgut schützt die Vorschrift?
Antwort: Die Vorschrift schützt die Rechtspflege.

F166) Der drogensüchtige Enkelsohn E stiehlt den Pkw seines Großvaters. Um das Fahrzeug besser verkaufen zu können, lackiert F in voller Kenntnis des Hintergrundes das Fahrzeug um. Der Großvater stellt keinen Strafantrag. F begeht tatbestandsmäßig, rechtswidrig und schuldhaft eine Begünstigung. Kann er bestraft werden? 
Antwort: F kann nicht wegen Begünstigung bestraft werden. Da es sich bei der Tat des E um ein absolutes Antragsdelikt gemäß § 247 StGB handelt, ist auch die Begünstigung gemäß § 257 Abs. 4 StGB ein absolutes Antragsdelikt. Der erforderliche Strafantrag ist aber nicht gestellt worden, so dass die Verfahrensvoraussetzungen nicht vorliegen.

Fragen zur Sachkunde nach §34a

F167) Was setzt der subjektive Tatbestand der Begünstigung voraus? 
Antwort: Der subjektive Tatbestand der Begünstigung verlangt Vorsatz und die Absicht, dem (Haupt-) Täter die Vorteile der Vortat zu sichern.

F168) Ist die fahrlässige Begünstigung strafbar? 
Antwort: Gemäß § 15 StGB ist grundsätzlich nur vorsätzliches Handeln strafbar, fahrlässiges Handeln jedoch nur, wenn das Gesetz es ausdrücklich vorsieht. Mithin ist die fahrlässige Begünstigung straflos, da sie im Text des § 257 StGB nicht genannt ist.

F169) Ist die versuchte Begünstigung strafbar?
Antwort: Gemäß § 12 Abs. 2 StGB ist die Begünstigung ein Vergehen. Die versuchte Begünstigung ist gemäß § 23 Abs. 1 StGB straflos, da der Versuch im Text des § 257 StGB nicht genannt ist.

F170) Was für ein Delikt ist die Begünstigung?
Antwort:
- Vergehen
- Antragsdelikt, wenn Haupttat Antragsdelikt
- bei geringwertigen Sachen relatives Antragsdelikt
- sonst Offizialdelikt


Kontrollfragen (Strafvereitelung)

F171) Welches Rechtsgut schützt die Vorschrift?
Antwort: Die Vorschrift schützt die Rechtspflege.

F172) A und B haben zusammen einen Einbruch verübt. A wird anhand einer DNA-Spur als Täterermittelt. Dass B Mittäter war, bleibt unbekannt. B gibt A ein falsches Alibi, um eine Bestrafung des A zu verhindern. Kann B wegen Strafvereitelung bestraft werden?
Antwort: Zwar erfüllt B den Tatbestand der Strafvereitelung des § 258 StGB. Er wird aber gemäß § 258 Abs. 5 StGB nicht bestraft, da er zugleich vereiteln will, selbst bestraft zu werden.

F173) Der drogensüchtige Enkelsohn E gerät mit dem von seinem Großvater gestohlenen Pkw in eine Verkehrskontrolle. Der Polizei sagt der Großvater wahrheitswidrig, dass er E sein Fahrzeug geliehen habe, da er nicht will, dass E bestraft wird. Kann der Großvater wegen Strafvereitelung bestraft werden?
Antwort: Zwar erfüllt Großvater den Tatbestand der Strafvereitelung des § 258 StGB. Er bleibt aber gemäß § 258 Abs. 6 StGB straffrei, da er die Tat zugunsten eines Angehörigen begeht.

F174) Was setzt der subjektive Tatbestand der Strafvereitelung voraus?
Antwort: Der subjektive Tatbestand der Strafvereitelung setzt Vorsatz in der gesteigerten Form von Absicht und Wissentlichkeit voraus.

F175) Ist die fahrlässige Strafvereitelung strafbar? 
Antwort: Gemäß § 15 StGB ist grundsätzlich nur vorsätzliches Handeln strafbar, fahrlässiges Handeln jedoch nur, wenn das Gesetz es ausdrücklich vorsieht. Mithin ist die fahrlässige Strafvereitelung straflos, da sie im Text des § 258 StGB nicht genannt ist.

F176) Ist die versuchte Strafvereitelung strafbar? 
Antwort: Gemäß § 12 Abs. 2 StGB ist die Strafvereitelung ein Vergehen. Der Versuch ist gemäß § 23 Abs. 1 StGB strafbar, da der Versuch in § 258 Abs. 4 StGB genannt ist.

F177) Was für ein Delikt ist die Strafvereitelung? 
Antwort: Vergehen, Offizialdelikt

Fragen zur Sachkunde nach §34a


Kontrollfragen (Hehlerei)

F178) Welches Rechtsgut schützt die Vorschrift?
Antwort: Die Vorschrift schützt das Vermögen.

F179) Welche Personen können sich der Hehlerei schuldig machen? Täter, Mittäter, Anstifter oder Gehilfe? 
Antwort: Da es sich um eine Vortat eines anderen handeln muss, können Täter und Mittäter nicht Hehler der gleichen Sache sein. Anstifter und Gehilfe hingegen fördern eine fremde Tat, so dass sie Hehler der Sache sein können.

F180) Was setzt der subjektive Tatbestand der Hehlerei voraus? 
Antwort: Der subjektive Tatbestand der Hehlerei setzt Vorsatz und die Absicht voraus, sich oder einen Dritten zu bereichern.

F181) Ist die fahrlässige Hehlerei strafbar?
Antwort: Gemäß § 15 StGB ist grundsätzlich nur vorsätzliches Handeln strafbar, fahrlässiges Handeln jedoch nur, wenn das Gesetz es ausdrücklich vorsieht. Mithin ist die fahrlässige Hehlerei straflos, da sie im Text des § 259 StGB nicht genannt ist.

F182) Ist die versuchte Hehlerei strafbar? 
Antwort: Gemäß § 12 Abs. 2 StGB ist die Hehlerei ein Vergehen. Der Versuch ist gemäß § 23 Abs. 1 StGB strafbar, da der Versuch in § 259 Abs. 3 StGB genannt ist.

F183) Was für ein Delikt ist die Hehlerei?
Antwort: 
- Vergehen
- als Haus- und Familienhehlerei absolutes Antragsdelikt
- als Hehlerei geringwertiger Sachen relatives Antragsdelikt
- sonst Offizialdelikt


Kontrollfragen (Urkundenfälschung)

F184) Welches Rechtsgut schützt die Vorschrift?
Antwort: Die Vorschrift schützt die Sicherheit und Zuverlässigkeit des Rechtsverkehrs mit Urkunden.

F185) In einem schriftlichen Kaufvertrag über einen Pkw werden Kilometerstand und Unfallfreiheit wahrheitswidrig beschrieben. Liegt neben einem Betrug auch eine Urkundenfälschung vor? 
Antwort: Es handelt sich um eine echte Urkunde, da der Aussteller des Vertrages wahrheitsgemäß erkennbar ist. Die echte Urkunde ist aber nicht verfälscht. Dass die Urkunde inhaltlich falsch ist, erfüllt als "schriftliche Lüge" nicht den Tatbestand der Urkundenfälschung.

F186) Was setzt der subjektive Tatbestand der Urkundenfälschung voraus?
Antwort: Der subjektive Tatbestand der Urkundenfälschung setzt Vorsatz und die Absicht voraus, im Rechtsverkehr zu täuschen.

F187) Ist die fahrlässige Urkundenfälschung strafbar? 
Antwort: Gemäß § 15 StGB ist grundsätzlich nur vorsätzliches Handeln strafbar, fahrlässiges Handeln jedoch nur, 
wenn das Gesetz es ausdrücklich vorsieht. Mithin ist die fahrlässige Urkundenfälschung straflos, da sie im Text des § 267 StGB nicht genannt ist.

F188) Ist die versuchte Urkundenfälschung strafbar?
Antwort: Gemäß § 12 Abs. 2 StGB ist die Urkundenfälschung ein Vergehen. Die versuchte Urkundenfälschung ist gemäß § 23 Abs. 1 StGB strafbar, da der Versuch in § 267 Abs. 2 StGB genannt ist.

F189) Was für ein Delikt ist die Urkundenfälschung?
Antwort: Vergehen, Offizialdelikt

Fragen zur Sachkunde nach §34a


Kontrollfragen (Sachbeschädigung)

F190) Welches Rechtsgut schützt die Vorschrift? 
Antwort: Die Vorschrift schützt das Eigentum vor Tauglichkeitsminderungen.

F191) Abiturienten beschmieren einen Pkw eines Lehrers mit wasserlöslichen Fingerfarben. Machen sie sich der Sachbeschädigung strafbar?
Antwort: Zwar ist der Pkw eine fremde Sache. Diese ist aber nicht beschädigt und nur vorübergehend verändert worden, da sich die Farben mit Wasser abwaschen lassen. Die Abiturienten machen sich nicht  der Sachbeschädigung strafbar.

F192) Anhänger der A-Partei kleben mit wasserlöslichem Kleister ein Plakat auf einen Metallcontainer. Machen sie sich der Sachbeschädigung strafbar?
Antwort: Zwar ist der Container eine fremde Sache. Dieser ist aber nicht beschädigt und nur vorübergehend verändert worden, da der Kleister die Substanz des Metalls bzw. der Farbe nicht verändert. Die Anhänger der A Partei machen sich nicht der Sachbeschädigung strafbar.

F193) Anhänger der B-Partei überkleben mit wasser-löslichem Kleister das in Frage 3 genannte Plakat der A-Partei. Machen sie sich der Sachbeschädigung strafbar?
Antwort: Das Plakat der A-Partei ist eine fremde Sache. Dieses Plakat ist beschädigt oder sogar zerstört, da sich das Plakat der B-Partei nicht ohne Beschädigung des Plakats der A-Partei ablösen lässt. Die Anhänger der B-Partei machen sich der Sachbeschädigung strafbar.

F194) Ist die fahrlässige Sachbeschädigung strafbar?
Antwort: Gemäß § 15 StGB ist grundsätzlich nur vorsätzliches Handeln strafbar, fahrlässiges Handeln jedoch nur, wenn das Gesetz es ausdrücklich vorsieht. Mithin ist die fahrlässige Sachbeschädigung straflos, da sie im Text des § 303 StGB nicht genannt ist.

195) Ist die versuchte Sachbeschädigung strafbar?
Antwort: Gemäß § 12 Abs. 2 StGB ist die Sachbeschädigung ein Vergehen. Versuchte Sachbeschädigung ist gemäß § 23 Abs. 1 StGB strafbar, da sie in § 303 Abs. 2 StGB genannt ist.

F196) Was für ein Delikt ist die Sachbeschädigung?
Antwort: Vergehen, relatives Antragsdelikt, Privatklagedelikt


 

Kontrollfragen (Brandstiftung / Schwere Brandstiftung / Herbeiführen einer Brandgefahr)

F197) Welche Rechtsgüter schützen diese Vorschriften?
Antwort: Die Vorschriften schützen Leben, Gesundheit und Eigentum.

F198) Ein Bauer möchte sich die Arbeit ersparen, einen auf seiner Weide stehenden Unterstand für Schafe zu demontieren. Er steckt den Unterstand in Brand. Macht er sich der Brandstiftung strafbar?
Antwort: Zwar setzt der Bauer eine landwirtschaftliche Anlage in Brand; diese ist aber nicht fremd, denn sie steht in seinem Eigentum, so dass sich der Bauer nicht der Brandstiftung strafbar macht.

F199) Ein Bauer möchte sich die Arbeit ersparen, eine auf seiner Weide stehende Hütte zu demontieren, in der seine Feriengäste Tag und Nacht im Heu spielen und schlafen dürfen. Er steckt die Hütte in Brand. Macht er sich der Brandstiftung strafbar? 
Antwort: Die Hütte ist eine Räumlichkeit, die zeitweise dem Aufenthalt der Feriengäste dient und zwar Tag und Nacht. Diese setzt der Bauer zu einer Zeit in Brand, in der Menschen sich dort aufzuhalten pflegen. Da es nicht darauf ankommt, dass die Hütte im Eigentum des Bauern steht, macht er sich der schweren Brandstiftung gemäß § 306a Abs. 1 Nr. 3 StGB strafbar.

F200) Ist die fahrlässige Brandstiftung strafbar?
Antwort: Gemäß § 15 StGB ist zwar grundsätzlich nur vorsätzliches Handeln strafbar. Die fahrlässige Brandstiftung ist aber gemäß § 306d StGB strafbar.

Fragen zur Sachkunde nach §34a

F201) Ist die versuchte Brandstiftung strafbar?
Antwort: Gemäß § 12 Abs. 1 StGB ist die Brandstiftung ein Verbrechen. Die versuchte Brandstiftung ist also gemäß § 23 Abs. 1 StGB strafbar.

F202) Was für ein Delikt ist die Brandstiftung?
Antwort: Verbrechen, Offizialdelikt

F203) Innerhalb einer gekennzeichneten Rauchverbotszone in einem Lager wird ein Mitarbeiter beim Anzünden einer Zigarre angetroffen. Welcher Tatbestand liegt vor? 
Antwort: Herbeiführen einer Brandgefahr, § 306 f StGB


Kontrollfragen (Unterlassene Hilfeleistung)

F204) Eine Ehefrau kommt an den Ort eines Verkehrsunfalls (Auto liegt in einem Graben). Zwei Personen drohen zu ertrinken. Die Ehefrau könnte beide Personen retten, was sie nicht macht, da sie erkennt, dass die eine Person ihr Ehemann und die andere Person die Geliebte des Ehemanns ist. Ihr Ehemann hatte ihr versprochen, die Beziehung zu beenden. Beide Personen ertrinken. Nach welchen Vorschriften hat sich die Ehefrau strafbar gemacht?
Antwort: Hinsichtlich der Geliebten liegt eine Unterlassene Hilfeleistung gemäß § 323c StGB vor, da die Ehefrau der Geliebten bei einem Unglücksfall nicht die zumutbare und erforderliche Hilfe geleistet hat. Hinsichtlich des Ehemanns liegt sogar ein Tötungsdelikt (Mord oder Totschlag) durch Unterlassen vor, da die Ehefrau nicht nur eine allgemeine Hilfspflicht, sondern gemäß § 13 StGB eine Garantenstellung hatte, ihren Ehemann zu retten.

F205) Ist die fahrlässige unterlassene Hilfeleistung strafbar? 
Antwort: Gemäß § 15 StGB ist grundsätzlich nur vorsätzliches Handeln strafbar, fahrlässiges Handeln jedoch nur, wenn das Gesetz es ausdrücklich vorsieht. Mithin ist die fahrlässige, unterlassene Hilfeleistung straflos, da sie im Text des § 323c StGB nicht genannt ist.

F206) Ist die versuchte unterlassene Hilfeleistung strafbar? 
Antwort: Gemäß § 12 Abs. 2 StGB ist die unterlassene Hilfeleistung ein Vergehen. Die versuchte unterlassene
Hilfeleistung ist gemäß § 23 Abs. 1 StGB straflos, da der Versuch im Text des § 323c StGB nicht genannt ist.

F207) Was für ein Delikt ist die unterlassene Hilfeleistung?
Antwort: Vergehen, echtes Unterlassensdelikt, Offizialdelikt


Kontrollfragen (Betäubungsmittelstrafrecht)

F208) Ein Türsteher nimmt einem Gast dessen Drogen ab, da er nicht möchte, dass Drogen in die Diskothek gelangen. Macht sich der Türsteher strafbar?
Antwort: Die Entgegennahme der Drogen ist der strafbare Besitz von Drogen, so dass sich der Türsteher strafbar macht. „(Lösung rechtlicht umstritten)“

F209) Auf einer Party wird einem Gast die bereits vorbereitete "Linie Kokain" auf einem kleinen Spiegel hingehalten. Der Gast rollt einen Geldschein auf und zieht das Kokain in seine Nase ein, ohne den Spiegel selbst in die Hand zu nehmen. Macht sich der Gast strafbar?
Antwort: Der Gast macht sich nicht strafbar. Der bloße Konsum der Drogen stellt keinen Besitz dar. Jeder hat aus Art. 2 GG das Recht auf den Konsum von Drogen.

F210) Auf einer Abiturfeier werden Kekse mit Haschisch gereicht. Ein Schüler nimmt sich einen kleinen Keks und hebt diesen auf, um ihn irgendwann an den nächsten Tagen zu essen. Ist sein Verhalten strafbar?
Antwort: Der Schüler macht sich des Besitzes von Drogen schuldig. Allerdings kann die Staatsanwaltschaft von einer Verfolgung gemäß § 31a BtMG absehen, da der Schüler eine geringe Menge einer weichen Droge besitzt.

Fragen zur Sachkunde nach §34a


Kontrollfragen (Rechtswidrigkeit)

F211) Eine verfolgbare Straftat besteht aus 4 Bausteinen. Nennen Sie bitte den 2. Baustein und erläutern Sie ihn! 
Antwort: Der 2. Baustein wird Rechtswidrigkeit genannt. Jede Verletzung des 1. Bausteins (Tatbestandsmäßigkeit) ist grundsätzlich rechtswidrig, bedeutet also Unrecht, sofern nicht ein Rechtfertigungsgrund (Jedermannsrecht) vorliegt.

F212) Behörden und Polizei werden Gewaltanwendung durch Gesetze erlaubt. Gibt es ein spezielles Gesetz, welches den Beschäftigten des Sicherheitsgewerbes die Anwendung von Gewalt in Konfliktsituationen erlaubt?
Antwort: Trotz der Änderung des § 34a GewO gibt es ein solches Gesetz nicht. Die Beschäftigten des Sicherheitsgewerbes dürfen daher nur aufgrund der Jedermannsrechte tätig werden.

F213) In welchen Gesetzen stehen die für das Bewachungsgewerbe wichtigsten acht Jedermannsrechte? 
Antwort: Im Strafgesetzbuch (StGB), in der Strafprozessordnung (StPO) und im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB).

F214) Nennen Sie die acht wichtigsten Jedermannsrechte aus StGB, StPO und BGB!
Antwort:
- Aus dem StGB
• § 32 StGB (Notwehr)
• § 34 StGB (Rechtfertigender Notstand)
- Aus der StPO
• § 127 Abs. 1 StPO (Vorläufige Festnahme)
- Aus dem BGB
• § 227 BGB (Notwehr)
• § 228 BGB (Defensivnotstand)
• § 229 BGB (Selbsthilfe)
• § 859 BGB (Selbsthilfe des Besitzers)
• § 904 BGB (Aggressivnotstand)

F215) Aus welchen Elementen bestehen die Jedermannsrechte?
Antwort: Sie bestehen aus objektiven Elementen wie z.B. einem gegenwärtigen, rechtswidrigen Angriff bei der Notwehr. Ferner bestehen sie aus einem subjektiven Element, insbesondere dem Rechtfertigungswillen.


Kontrollfragen (Notwehr)

F216) Beschreiben und erläutern Sie die Konfliktlage bei der Notwehr!
Antwort: Die Konfliktlage bei der Notwehr ist ein gegenwärtiger rechtswidriger Angriff. Bei einem Angriff gegen
sich selbst nennt man es Notwehr. Bei einem Angriff gegen Dritte wird es Nothilfe genannt. Der Angriff kann sich gegen Personen oder Sachen richten. Er ist gegenwärtig, wenn er unmittelbar bevorsteht, begonnen hat oder noch andauert. Er ist rechtswidrig, wenn er gegen die Rechtsordnung verstößt.

F217) Nennen Sie die bei der Notwehr zulässige Verteidigungshandlung und beschreiben Sie bitte die "Verhältnismäßigkeit„! 
Antwort: Die zulässige Verteidigungshandlung ist die Verteidigung, die erforderlich ist. Erforderlich ist jede Handlung, welche den Angriff sofort beendet. Es ist aber von mehreren geeigneten Mitteln das mildeste Mittel zu wählen.

F218) Nennen Sie bitte das subjektive Element der Notwehr. 
Antwort: Die Notwehr muss vom Verteidigungswillen getragen sein, damit Motive wie z.B. Neid, Hass, Eifersucht und Wut ausscheiden.

Fragen zur Sachkunde nach §34a

F219) Ein 16-jähriges Mädchen kommt in die Küche der elterlichen Wohnung, in welcher Vater und Mutter dauerhaft von einem Freund massiv geschlagen werden. Das Mädchen entschließt sich, ihren Eltern Nothilfe zu leisten. Es sieht sich um. Das einzige geeignete Mittel, welches sie sieht, ist ein Messer, welches sie nimmt und gegen den Schläger einsetzt. Der Schläger verstirbt. Hat sich das Mädchen eines Totschlages strafbar gemacht?
Antwort: Das Mädchen hat einen anderen Menschen getötet, so dass ihr Verhalten den Tatbestand des Totschlags des § 212 StGB erfüllt. Da tatbestandsmäßiges Handeln grundsätzlich die Rechtswidrigkeit indiziert, wäre ihr Verhalten auch rechtswidrig, sofern nicht ein Rechtfertigungsgrund eingreift. Hier kommt Notwehr gemäß § 32 StGB in Betracht. Das Verhalten des Freundes stellt einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff auf die Eltern dar. Die Abwehr dieses Angriffs mit dem Messer (Nothilfe) war objektiv erforderlich. Einerseits war die Abwehr geeignet, den Angriff zu beenden. Andererseits war die Abwehr das einzige und mithin das mildeste Mittel. Da das Mädchen subjektiv auch mit Verteidigungswillen handelte, war ihr Verhalten nicht rechtswidrig, sondern durch Notwehr gemäß § 32 StGB gerechtfertigt. Der 2. Baustein der verfolgbaren Straftat liegt nicht vor, so dass das Mädchen nicht wegen Totschlags bestraft werden kann.


 

Kontrollfragen (Rechtfertigender Notstand)

F220) Nennen Sie bitte hinsichtlich der Konfliktlage den Hauptunterschied zwischen Notwehr und rechtfertigendem Notstand! 
Antwort: Bei der Notwehr liegt ein Angriff eines Menschen vor. Bei einem Notstand liegt eine Gefahr vor.

F221) Was ist eine Gefahr? 
Antwort: Eine Gefahr ist ein Zustand, bei dem eine vernünftige Einschätzung der Situation dazu führt, dass der Eintritt eines Schadens wahrscheinlich ist.

F222) In der Kneipe des K. hat der Gast V. so massiv dem Alkohol zugesprochen, dass V. volltrunken ist. V. greift nach seinem auf dem Tresen liegenden Autoschlüssel und ruft K. laut zu, dass er jetzt mit seinem Auto zu seiner Wohnung fahren werde. Dieses verhindert K. dadurch, dass er V. den Autoschlüssel wegnimmt. Kann sich K. auf § 34 StGB berufen?
Antwort: Es liegt eine Gefahr vor. Wenn V. volltrunken mit seinem Auto gefahren A wäre, hätte es zu Verletzungen der Rechtsgüter Leben, Leib und Eigentum kommen können. Diese Gefahr war nicht anders abwendbar, da es nicht ausreichend war, die Polizei zu rufen, da V. bis zum Eintreffen der Polizei gegebenenfalls bereits losgefahren wäre. Durch die Wegnahme des Schlüssels durch K. wird V. vorübergehend der Besitz am Schlüssel entzogen und die Fortbewegungsfreiheit des V. eingeschränkt. Leben und Leib gehen aber Besitz und Freiheit immer vor, so dass K. hochwertigere Rechtsgüter schützt und nur geringwertigere Rechtsgüter verletzt. Die Wegnahme des Schlüssels ist K. mithin erlaubt. K. handelt, um die o. g. Gefahren abzuwehren; K. handelt auch mit der gebotenen Absicht. Das Verhalten des K. ist nach § 34 StGB gerechtfertigt.


Kontrollfragen (Vorläufige Festnahme)

F223) Ein Kaufhausdetektiv beobachtet, wie ein ihm unbekanntes ca. 10-jähriges Kind ein hochwertiges Handy entwendet. Darf der Detektiv das Kind nach § 127 Abs. 1 StPO vorläufig festnehmen?  
Antwort: Eine vorläufige Festnahme ist nach § 127 Abs. 1 StPO zulässig, wenn eine verfolgbare Straftat vorliegt. Zwar erfüllt das Kind tatbestandsmäßig und rechtswidrig das Delikt des Diebstahls gemäß § 242 Abs. 1 StGB. Das Element der Schuld ist aber nicht erfüllt, da das Kind im Alter von 10 Jahren schuldunfähig im Sinne des § 19 StGB ist. Mithin liegt keine verfolgbare Straftat vor, so dass eine vorläufige Festnahme nach § 127 Abs. 1 StPO unzulässig ist.

F224) Ein Kaufhausdetektiv hat an einem Montag einen ihm unbekannten 32-jährigen Warenhausdieb beobachtet. Dem Dieb ist es gelungen, mit der Ware im Wert von 200,00 Euro wegzulaufen. Am Dienstag trifft der Kaufhausdetektiv den Dieb zufällig wieder. Darf der Detektiv den Dieb nach § 127 Abs. 1 StPO vorläufig festnehmen?
Antwort: Zwar hat der Dieb sich eines verfolgbaren Diebstahls gemäß § 242 Abs. 1 StGB schuldig gemacht. Gleichwohl liegen die Voraussetzungen für eine vorläufige Festnahme nach § 127 Abs. 1 StPO nicht vor, da der Dieb nicht auf frischer Tat betroffen oder verfolgt wurde.

Fragen zur Sachkunde nach §34a

F225) Ein Kaufhausdetektiv hat an einem Montag einen Warenhausdieb dingfest gemacht und eine Kopie der Strafanzeige mit den Personalien des Diebs und dem erteilten Hausverbot in seinem Büro in einem Ordner abgeheftet. Am Freitag erwischt der Kaufhausdetektiv den Dieb erneut bei einem Warenhausdiebstahl. Darf der Detektiv den Dieb nach § 127 Abs. 1 StPO vorläufig festnehmen? 
Antwort: Zwar hat der Dieb sich erneut eines verfolgbaren Diebstahls gemäß § 242 Abs. 1 StGB sowie eines verfolgbaren Hausfriedensbruchs gemäß § 123 Abs. 1 StGB schuldig gemacht. Am Freitag wird der Dieb auch auf frischer Tat betroffen. Gleichwohl ist eine Festnahme nach § 127 Abs. 1 StPO nicht zulässig, da dem Kaufhausdetektiven die Personalien des Diebes ja bekannt und verfügbar sind.

F226) Ein Kaufhausdetektiv stellt fest, dass ein ihm namentlich unbekannter Kunde immer wieder auf dem Behindertenparkplatz direkt vor dem Kaufhaus verkehrswidrig parkt. Ist es zulässig, den Falschparker nach § 127 Abs. 1 StPO vorläufig festzunehmen?
Antwort: Eine Festnahme nach § 127 Abs. 1 StPO ist unzulässig, da Falschparken „nur“ eine Ordnungswidrigkeit und keine Straftat ist.

F227) Ein Kaufhausdetektiv hat an einem Montag einen ihm unbekannten Warenhausdieb dingfest gemacht und angesprochen. Der Dieb versucht, mit dem Diebesgut im Wert von ca. 200,00 Euro zu entkommen. Darf der Detektiv die Flucht des Diebes zum Zwecke der vorläufigen Festnahme gemäß § 127 Abs. 1 StPO mit körperlicher Gewalt verhindern?
Antwort: Der Dieb hat sich eines verfolgbaren Diebstahls gemäß § 242 Abs. 1 StGB schuldig gemacht. Der Dieb
wird auf frischer Tat betroffen und versucht, aus dem Kaufhaus zu flüchten. Mithin ist eine Festnahme nach § 127 Abs. 1 StPO zulässig. Diese Festnahme darf mittels der so genannten Annexkompetenz auch mit Gewalt durchgesetzt werden. Eine Gegenwehr des Diebes wäre ein gegenwärtiger, rechtswidriger Angriff, welcher nach § 32 StGB (Notwehr) abgewehrt werden dürfte.


Kontrollfragen (Defensivnotstand)

F228) Gegen welche Sache darf sich die Notstandshandlung beim Defensivnotstand richten?
Antwort: Beim Defensivnotstand darf sich die Notstandshandlung gegen die Sache richten, von der die Gefahr ausgeht.

F229) Erlaubt der Defensivnotstand die Abwehr eines angreifenden Hundes? 
Antwort: Zwar sind Tiere keine Sachen; aber gemäß § 90a BGB werden die Vorschriften über Sachen zur Anwendung gebracht, so dass der Defensivnotstand auch die Abwehr eines angreifenden Hundes erlaubt.

F230) Der Beschäftigte des Bewachungsgewerbes Z. stellt bei einem Kontrollgang auf einem Betriebsgelände fest, dass Dachpfannen verrutscht sind und herabzustürzen drohen, so dass Passanten verletzt und parkende Fahrzeuge beschädigt werden könnten. Z. sichert das Gelände ab und entfernt die gelösten Dachpfannen, die beim Herunternehmen vom Dach zerbrechen. Muss Z. den Schaden bezahlen? Kann Z. wegen Sachbeschädigung bestraft werden?
Antwort: Z. muss den verursachten Schaden nicht bezahlen und wird nicht wegen Sachbeschädigung gemäß § 303 StGB bestraft, da er sich auf das Jedermannsrecht des Defensivnotstandes gemäß § 228 BGB berufen kann und mithin nicht widerrechtlich / rechtswidrig handelt. Z. beseitigt eine von den Dachpfannen ausgehende gegenwärtige Gefahr. Er zerstört die Dachpfannen geringen Wertes, um einen erheblichen Schaden von Personen und anderen Sachen abzuwehren.


Kontrollfragen (Aggressivnotstand)

F231) Gegen welche Sache darf sich die Notstandshandlung beim Aggressivnotstand richten?
Antwort: Beim Aggressivnotstand darf sich die Notstandshandlung auch gegen eine Sache richten, von der die Gefahr nicht ausgeht.

F232) Bleibt der Eigentümer der Sache, auf die eingewirkt wurde, auf seinem Schaden sitzen? 
Antwort: Nein; er kann gemäß § 904 Satz 2 BGB Schadensersatz verlangen.

Fragen zur Sachkunde nach §34a

F233) Z. bricht aus einem Holzzaun des L. eine Latte heraus, um mit dieser Latte einen bissigen Hund
des Hundehalters P. abzuwehren. Beurteilen Sie die Rechtslage! 
Antwort: Z. wirkt auf eine Sache aus dem Eigentum des L. ein, um eine vom Hund des P. ausgehende Gefahr zu beseitigen. Da Z. Gefahren für seinen Leib drohen, ist der Schaden des L. An seinem Zaun auch nicht unverhältnismäßig. L. kann seine Schadensersatzansprüche (Reparaturkosten) gegen die Gesamtschuldner Z. oder P. geltend machen. Im Ergebnis wird P. als Hundehalter den Schaden bezahlen müssen. Z. begeht zwar tatbestandsmäßig eine Sachbeschädigung gemäß § 303 StGB. Z. kann aber nicht bestraft werden, da er sich auf den Rechtfertigungsgrund des Aggressivnotstandes gemäß § 904 BGB berufen kann und mithin nicht rechtswidrig handelte.


Kontrollfragen (Selbsthilfe)

F234) Wie sind grundsätzlich Ansprüche geltend zu machen? Welche Ausnahme gibt es?
Antwort:
- Es muss grundsätzlich der gesetzlich vorgeschriebene Weg eingehalten werden; in der Regel sind Gerichte zuständig.
- Ausnahmsweise ist Selbsthilfe zulässig, wenn die Gefahr besteht, dass die Verwirklichung eines Anspruchs vereitelt oder wesentlich erschwert wird und obrigkeitliche Hilfe nicht rechtzeitig zu erlangen ist.

F235) A. hat B. ein Auto für Euro 2.400,00 in 24 Raten zu je 100,00 Euro verkauft und sich sein Eigentum am Auto bis zur Bezahlung der letzten Rate vorbehalten sowie den Kraftfahrzeugbrief einbehalten. Nach Bezahlung der ersten beiden Raten erfährt A. an einem Freitagabend gegen 23.00 Uhr zufällig, dass B. mit seiner Familie, seiner ganzen Habe und seinem Auto am Samstag um 06.00 Uhr mit einem Schiff nach Australien auswandern will, um dort eine Schafzucht zu betreiben. Darf A. in Ausübung der Selbsthilfe tätig werden? Was kann/darf er unternehmen? 
Antwort: Der Anspruch des A. auf Bezahlung der weiteren Raten durch B. ist in Gefahr, da es sehr schwer ist, vor einem ausländischen Gericht auf Zahlung zu klagen. A. kann wohl auch nicht rechtzeitig obrigkeitliche Hilfe erlangen, da die Gerichte geschlossen haben. A. kann mithin Selbsthilfe ausüben. A. könnte das Auto wegfahren oder z.B. durch Herauslassen der Luft aus sämtlichen Reifen oder Ausbauens der Batterie fahrunfähig machen. Ferner könnte A. seine Selbsthilfehandlung auch gegen den Widerstand des B. gewaltsam durchsetzen oder B.  sogar kurz vor dem Betreten des Schiffes festnehmen, wenn das Fahrzeug bereits verschifft ist, um so die Bezahlung der restlichen Raten zu sichern. 

Kontrollfragen (Selbsthilfe des Besitzers)

F236) Y. bringt seinen Pkw zur Inspektion in die Werkstatt des X. Im Inspektionsauftrag vereinbaren Y. und X., dass die Inspektion bei Abholung des Fahrzeugs bar bezahlt wird und erst nach Bezahlung der Inspektion die Herausgabe des Fahrzeugs erfolgt. a. Wer ist während der Inspektion Besitzer des Fahrzeugs? 

b. Darf sich Y. das Fahrzeug ohne Bezahlung eigenmächtig abholen? 
Antwort: 
a. Während der Inspektion ist X. berechtigter Besitzer des Fahrzeugs und bleibt in dieser Position bis zur 
Rückgabe des Fahrzeugs an Y. nach Bezahlung der Inspektionsrechnung. 
b. Die Abholung des Fahrzeugs ohne Bezahlung wäre verbotene Eigenmacht des Y.

F237) Y. kann die Inspektionsrechnung nicht bar bezahlen. Y. begibt sich mit einem Zweitschlüssel zum Firmengelände des X., um das Fahrzeug heimlich abzuholen. Darf X. die Abholung des Fahrzeugs durch Y. verhindern?
Antwort. X. darf sich gemäß § 859 Abs. 1 BGB durch Besitzwehr der verbotenen Eigenmacht des Y. gegebenenfalls mit Gewalt erwehren.

F238) Es gelingt Y. an sein Fahrzeug zu kommen, kann X. es Y. mit Gewalt wieder abnehmen?
Antwort: Da X. den Y. bei verbotener Eigenmacht auf frischer Tat betrifft und verfolgt, darf er Y. verfolgen und das Auto gegebenenfalls mit Gewalt gemäß § 859 Abs. 2 BGB mittels Besitzkehr wieder wegnehmen.

Fragen zur Sachkunde nach §34a


Kontrollfragen (Schuld)

F239) Eine verfolgbare Straftat besteht aus 4 Bausteinen. Nennen Sie bitte den 3. Baustein und erläutern Sie ihn! 
Antwort: Der 3. Baustein wird Schuld genannt. Bei der Schuld geht es um die Frage der persönlichen Vorwerfbarkeit des Unrechts.

F240) Welche Personen sind schuldunfähig? 
Antwort: Schuldunfähig sind Kinder, die noch nicht vierzehn Jahre alt sind und Menschen, die an den in § 20 StGB genannten schweren seelischen Krankheiten erkrankt und unfähig sind, das Unrecht der Tat einzusehen oder nach dieser Einsicht zu handeln.

F241) Ab welcher Alkoholisierung kann Schuldunfähigkeit vorliegen? 
Antwort: Ab ca. 3,00 Promille.

F242) Ein 11-jähriges Kind attackiert Z. mit einem Messer.
a. Kann das Kind bestraft werden?
b. Darf sich Z. der Attacke durch Notwehr erwehren?
c. Darf Z. das Kind vorläufig festnehmen?
Antwort:
a. Das Kind kann nicht bestraft werden, da es nicht schuldhaft handelt.
b. Das Kind verwirklicht aber tatbestandsmäßig und rechtswidrig eine versuchte gefährlichenKörperverletzung gemäß §§ 223, 224 Abs. 1 Nr. 2, Nr. 5 und Abs. 2, 22, 23 StGB. Darin ist ein gegenwärtiger rechtswidriger Angriff des Kindes gegen Z. zu sehen, welchen Z. mittels Notwehr gemäß § 32 StGB abwehren darf.
c. Eine vorläufige Festnahme des Kindes gemäß § 127 Abs. 1 StPO durch Z. ist unzulässig, da mangels Schuldfähigkeit keine verfolgbare Straftat vorliegt.

Kontrollfragen (Entschuldigender Notstand)

F243) Was unterscheidet den Entschuldigenden Notstand und den Rechtfertigenden Notstand hinsichtlich ihrer Rechtsfolgen? 
Antwort: Der Rechtfertigende Notstand lässt die Rechtswidrigkeit, also den 2. Baustein der verfolgbaren Straftat entfallen. Der Entschuldigende Notstand lässt die Schuld, also den 3. Baustein der verfolgbaren Straftat entfallen.

F244) A. soll als Zeuge vor Gericht gegen den Chef einer Drogenbande aussagen. Kurz vor dem Gerichtstermin erreichen A. ernsthafte telefonische Drohungen, dass ihm, seiner Frau und seinen Kindern Gewalt und sexuelle Gewalt angetan werde, wenn er vor Gericht aussage. Wahrheitswidrig schwört A. vor Gericht, den Chef der Drogenbande nicht zu kennen. Macht sich A. des Meineids strafbar? 
Antwort: A. erfüllt zwar tatbestandsmäßig und rechtswidrig das Verbrechens des Meineids gemäß § 154 Abs. 1 
StGB. A. wird aber nicht wegen Meineids bestraft, da er sich auf den Entschuldigenden Notstand gemäß § 35 StGB berufen kann. A. handelte nämlich, um eine gegenwärtige, nicht anders abwendbare Gefahr für seinen Leib und die körperliche Unversehrtheit seiner Angehörigen abzuwenden.


Kontrollfragen (Notwehrüberschreitung und Putativnotwehr)

F245) Was unterscheidet Notwehrüberschreitung und Putativnotwehr? 
Antwort: Bei der Notwehrüberschreitung liegt ein gegenwärtiger rechtswidriger Angriff vor, die Verteidigung liegt aber außerhalb der Verhältnismäßigkeit. Bei der Putativnotwehr liegt kein gegenwärtiger rechtswidriger Angriff vor, man nimmt aber irrtümlich einen solchen Angriff an.

F246) Frau O. geht nachts im Park spazieren. Der Passant P. tippt O. von hinten an. O. befürchtet eine Sexualstraftat und schlägt P. mit ihrem Regenschirm. Tatsächlich wollte P. die O. nach dem Weg fragen. Ist O. zu bestrafen? 
Antwort. O. handelt tatbestandsmäßig, rechtswidrig und schuldhaft. Allerdings entfällt aus den Gründen der Putativnotwehr wegen ihres Irrtums im subjektiven Tatbestand der Vorsatz, so dass O. nicht wegen Gefährlicher Körperverletzung gemäß §§ 223, 224 Abs. 1 Nr. 2 StGB, sondern "nur" wegen Fahrlässiger Körperverletzung gemäß § 229 StGB bestraft werden kann. Ein solches Verfahren würde die Staatsanwaltschaft wahrscheinlich wegen des dummen Verhaltens und Mitverschuldens des P. auf den Privatklageweg verweisen oder gemäß § 153 Abs. 1 StPO wegen Geringfügigkeit einstellen.

Fragen zur Sachkunde nach §34a


Kontrollfragen (Verfahrensvoraussetzungen)

F247) Eine verfolgbare Straftat besteht aus 4 Bausteinen. Nennen Sie bitte den 4. Baustein und erläutern Sie ihn! 
Antwort: Der 4. Baustein sind die Verfahrensvoraussetzungen. Dieses sind die Bedingungen, die es Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht erlauben, eine Straftat zu verfolgen.

248) Nennen Sie bitte die allgemeinen Verfahrensvoraussetzungen! 
Antwort: Der Beschuldigte muss leben; die Tat darf noch nicht verjährt oder bereits bestraft sein.

F249) Nennen Sie bitte die speziellen Verfahrensvoraussetzungen der Antragsdelikte!
Antwort: Bei den absoluten Antragsdelikten muss ein Strafantrag gestellt worden sein; bei den relativen Antragsdelikten muss ein Strafantrag gestellt worden sein oder es muss besonderes öffentliches Interesse vorliegen.

F250) Was bewirkt das Fehlen der Verfahrensvoraussetzungen?
Antwort: Das Fehlen der Verfahrensvoraussetzungen führt zu einem Verfahrenshindernis. Das Verfahren muss eingestellt werden.

F251) Der 18-jährigen Enkelsohn stiehlt seinem Opa 500,00 Euro. Opa stellt keinen Strafantrag. Kann der Enkelsohn bestraft werden?
Antwort: Der Enkelsohn begeht zwar tatbestandsmäßig, rechtswidrig und schuldhaft einen Diebstahl gemäß § 242 StGB. Es handelt sich als Familiendiebstahl gemäß § 247 StGB aber um ein absolutes Antragsdelikt. Da der Opa keinen Strafantrag stellt, fehlt es an den Verfahrensvoraussetzungen. Das Verfahren muss eingestellt werden. Der Enkelsohn kann nicht bestraft werden.

Kontrollfragen (Vorschriften der Strafprozessordnung)

F252) Müssen Beschuldigte und Zeugen Ladungen grundsätzlich Folge leisten? 
Antwort: Beschuldigte und Zeugen müssen bei Staatsanwaltschaft und Gericht erscheinen; nicht aber bei der Polizei.

F253) Welche Ungehorsamsfolgen treten ein, wenn ein Zeuge zu einem Gerichtstermin trotz ordnungsgemäßer Ladung unentschuldigt nicht erscheint? 
Antwort: Der Zeuge muss die durch das Ausbleiben entstehenden Kosten tragen. Das Gericht kann eine polizeiliche Vorführung mit Festnahme zur Nachtzeit anordnen. Ferner können Ordnungsgeld und hilfsweise Ordnungshaft angeordnet werden.

F254) Der Sicherheitsbedienstete B. hat einen Einbrecher vorläufig festgenommen. Beim Eintreffen der Polizei behauptet der Einbrecher, er sei vom Wachmann grundlos geohrfeigt worden! Welche Pflichten und Rechte hat der Wachmann?
Antwort: B. muss seine Personalien angeben. Zur Sache muss B. nicht aussagen. Soweit B. als Zeuge in dem Verfahren gegen den Einbrecher befragt wird, sollte er die Auskunft nach § 55 StPO verweigern, da er nicht gegen sich selbst aussagen muss. Soweit er als Beschuldigter in dem Verfahren gegen sich selbst befragt wird, sollte B. gemäß § 136 Abs. 1 Satz 2 StPO schweigen.

F255) B. erzählt seinem Einsatzleiter E. und seiner Ehefrau davon, den Einbrecher tatsächlich grundlos geschlagen zu haben. Müssen beide Personen als Zeugen angeben, was B. ihnen erzählt hat? 
Antwort: E. muss als Zeuge gegen B. aussagen und kann ggf. zur Aussage gezwungen und auch vereidigt  werden. Die Ehefrau kann sich auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht aus § 52 StPO berufen und muss nicht aussagen.

Fragen zur Sachkunde nach §34a

F256) E. wird als Zeuge von der Polizei befragt. E. erklärt wahrheitswidrig, er wisse nichts davon, ob B. den Einbrecher geschlagen habe. Es kommt zu einer Gerichtsverhandlung gegen B., in welcher E. gefragt wird, ob er etwas dazu sagen könne, dass B. den Einbrecher geschlagen haben soll. Muss E. diese Frage beantworten?
Antwort: E. muss die Frage nicht beantworten, da er sich gemäß § 55 StPO nicht selber belasten muss. Bei einer wahrheitsgemäßen Aussage würde E. nämlich zugeben, bei der Polizei im Verfahren gegen B. gelogen zu haben. Dadurch würde E. sich selbst in den Verdacht einer versuchten Strafvereitelung gemäß §§ 258 Abs. 4, 22, 23 StGB bringen. Dazu ist B. aber nicht verpflichtet.

Fragen zur Sachkunde nach §34a


Umgang mit Verteidigungswaffen

G01) Welche Zielrichtung verfolgen die waffenrechtlichen Gesetze und Verordnungen? 
Antwort: Die waffenrechtlichen Regelungen dienen der Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung.

G02) Was sind Waffen im Sinne des Waffenrechtes?
Antwort: Es sind Schusswaffen und ihnen gleichgestellte Gegenstände und tragbare Gegenstände.

G03) Was sind Schusswaffen?
Antwort: Gegenstände, die zum Angriff oder zur Verteidigung, zur Signalgebung, zur Jagd, zur Distanzinjektion, zur Markierung, zum Sport oder zum Spiel bestimmt sind und bei denen Geschosse durch einen Lauf getrieben werden.

G04) Was sind Schusswaffen gleichgestellte Gegenstände? 
Antwort: Tragbare Gegenstände, die zum Abschießen von Munition bestimmt sind oder von denen feste Körper gezielt durch Muskelkraft verschossen werden können (z.B. Armbrüste).

G05) Welche Bedeutung haben die wesentlichen Teile von Schusswaffen? 
Antwort: Sie stehen den Schusswaffen gleich.

G06) Was sind tragbare Gegenstände?
Antwort: Im wesentlichen Hieb- und Stoßwaffen, aber auch besondere Messer wie Spring-, Fall-, Faust- u. Faltmesser (Butterfly).

G07) Was ist unter dem Führen einer Waffe zu verstehen? 
Antwort: Die Ausübung der tatsächlichen Gewalt über die Waffe außerhalb der eigenen Wohnung, Geschäftsräume oder des eigenen befriedeten Besitztums.

G08) Welche Voraussetzungen müssen für den Umgang mit Schusswaffen vorliegen? 
Antwort: 
- Vollendung des 18. Lebensjahres
- Zuverlässigkeit und persönliche Eignung
- Nachweis der Sachkunde
- Nachweis eines Bedürfnisses
- zusätzlich Haftpflichtversicherung beim Waffenschein

G09) Womit wird die Erlaubnis zum Erwerben / Besitzen einer Schusswaffe erteilt?
Antwort: Mit einer Waffenbesitzkarte (WBK)

G10) Was braucht man zum Führen einer Schusswaffe?
Antwort: Einen Waffenschein

G11) Was ist der so genannte „Kleine Waffenschein“?
Antwort: Eine Erlaubnis zum Führen von
- Schreckschusswaffen (Kartuschenmunition)
- Reizstoffwaffen
- Signalwaffen
Es ist keine Waffensachkundeprüfung und kein Bedürfnisnachweis sowie kein Haftpflichtnachweis erforderlich.

G12) Was ist unter einer Anscheinswaffe zu verstehen und wo darf sie nur geführt werden?
Antwort: Es handelt sich um eine Nachbildung, die einer echten Schusswaffe täuschend ähnlich sieht. Sie darf nur im abgetrennten Privatbereich geführt werden.

G13) Dürfen Sicherheitsmitarbeiter eine zugelassene Verteidigungswaffe, z.B. einen Schlagstock, in der Öffentlichkeit bei der Berufsausübung führen? 
Antwort: Grundsätzlich ist das Führen in der Öffentlichkeit verboten, aber das WaffG lässt eine Ausnahme bei Vorliegen eines berechtigten Interesses im Zusammenhang mit der Berufsausübung zu. Bei öffentlichen Veranstaltungen muss allerdings eine Erlaubnis der zuständigen Behörde eingeholt werden (vgl. §§ 42 und 42 a WaffG).

Fragen zur Sachkunde nach §34a

G14) Wie sind verbotene Waffen nach dem WaffG einzustufen? 
Antwort: Jeglicher Umgang mit verbotenen Waffen ist unzulässig. Zuwiderhandlungen stellen grundsätzlich eine Straftat dar.

G15) Wo sind die verbotenen Waffen aufgeführt? 
Antwort: In der Anlage 2 Abschnitt 1 zum WaffG

G16) Was sind beispielsweise verbotene Waffen? 
Antwort:
• Geräte, die einen anderen Gegenstand vortäuschen
• Geräte, die über ihren Zweck hinaus zusammengeklappt, verkürzt usw. werden können
• Stahlruten, Totschläger, Schlagringe 
• Wurfsterne, Molotowcocktails
• Distanz-Elektroimpulsgeräte • Elektroimpulsgeräte ohne Prüfzeichen
• Reizsprühgeräte ohne Prüfzeichen 
• Faustmesser
• Faltmesser (Butterfly)
• Fallmesser
• Springmesser
Ausnahme: wenn die Klinge seitlich aus dem Griff herausspringt und der aus dem Griff herausragende Teil höchstens 8,5 cm lang und nicht zweiseitig geschliffen ist

G17) Gibt es spezielle Regelungen für Bewachungsunternehmer und ihr Bewachungspersonal im Hinblick auf Schusswaffen und Munition? 
Antwort: Ja, im § 28 WaffG sind spezielle Regelungen für Erwerb, Besitz und Führen niedergelegt, aber auch die 
BewachV und die BGV C 7 enthalten besondere Vorschriften.

G18) Was ist im Veranstaltungsdienst im Hinblick auf Waffen zu beachten? 
Antwort: Generell ist das Führen von Waffen bei öffentlichen Vergnügungen, Volksfesten, Sportveranstaltungen, Messen, Märkten oder ähnlichen öffentlichen Veranstaltungen verboten. Hiervon kann die zuständige Behörde unter bestimmten Voraussetzungen Ausnahmen zulassen.

G19) Was bedeutet die Inbesitznahme von verbotenen Waffen? 
Antwort: Sie führt zur Strafbarkeit, wenn nicht unverzüglich der zuständigen Behörde die Inbesitznahme angezeigt wird. Deshalb sollten bei Einlasskontrollen zu Veranstaltungen mit den Behörden (im Einsatzfall mit der Polizei) entsprechende Regelungen getroffen werden. 
Hinweis: Vergleichbar ist die Behandlung von verbotene Betäubungsmitteln.

Fragen zur Sachkunde nach §34a


Umgang mit Menschen

H01) Warum ist das Thema „Umgang mit Menschen“ wichtig für das Sicherheitsgewerbe?
Antwort: Die Erfüllung des beruflichen Auftrages erfordert Professionalität im Umgang mit Menschen, sei es bei der Auskunftserteilung oder bei Kontroll- und Überwachungsaufgaben. Der Auftraggeber erwartet Professionalität, aber auch der Bürger.

H02) Was ist das Selbstwertgefühl und wozu kann mangelndes Selbstwertgefühl führen? 
Antwort: Das Selbstwertgefühl ist die Einstellung zu sich selbst, bezogen auf den vermeintlichen „Wert“ der eigenen Person. Es ist eine Selbsteinschätzung, die in der Auseinandersetzung mit sich und der Umwelt  erfolgte. Eine starke Ausprägung geschieht im frühen Kindesalter. Ein mangelndes Selbstwertgefühl führt oft zur Unsicherheit oder Überheblichkeit. 

H03) Wie wird das Verhalten des Menschen grundsätzlich gesteuert? 
Antwort: Durch Verstand, Gefühl und Trieb

H04) Was soll die Bedürfnispyramide nach Maslow ausdrücken? 
Antwort: Sie ist eine abgestufte Anordnung der Bedürfnisse, wobei die „höheren“ Bedürfnisse erst dann aktiviert werden, wenn die „niedrigeren“ weitgehend befriedigt sind.

H05) Wodurch wird erreicht, dass Eigenbild und Fremdbild weitgehend übereinstimmen? 
Antwort: Die Gruppe gibt der Einzelperson eine angemessene Rückkopplung (ein Feed Back) zu deren Verhalten 
und Eigenarten. Die Einzelperson ist bereit, sich damit auseinander zusetzen. Die Einzelperson gibt auch Informationen über Privates preis.

H06) Wozu dienen berufsethische Leitsätze und für wen sind sie bestimmt? 
Antwort: Sie dienen zum beruflichen Selbstverständnis. Als Bestandteil einer Unternehmensphilosophie stellen sie Eckwerte und Rahmen der Berufsausübung für alle Mitarbeiter dar. Insofern sind sie eine Botschaft nach innen, aber sie enthalten auch eine Aussage nach außen (für den Kunden).

H07) Was ist Menschenkenntnis und worauf beruht sie?
Antwort: Menschkenntnis ist die Fähigkeit, andere Menschen „richtig“ einzuschätzen. Sie beruht auf Beobachtung, Lebenserfahrung, Beurteilungsvermögen, Intuition.

H08) Wie wird die individuelle Wahrnehmung beeinflusst? 
Antwort: Sie wird von der körperlichen Wahrnehmungsfähigkeit, aber auch von Bedürfnissen, Interessen, Gefühlen, Erwartungen und Erfahrungen beeinflusst.

H09) Was versteht man unter dem „Ersten Eindruck“ und welche Bedeutung hat dieser? 
Antwort: Er ist das Gesamtbild, das ein Beobachter von einem ihm unbekannten Menschen, einer Situation oder einem unbekannten Objekt in wenigen Sekunden gewinnt. Dieses Bild bestimmt erste mögliche Reaktionen, z.B. eine Gesprächseröffnung. Insofern gibt er Handlungssicherheit, die aber trügerisch sein kann, denn der „Erste Eindruck“ muss nicht immer richtig sein (siehe Wahrnehmungsfehler und Vorurteile).

H10) Was sind Vorurteile, wie entstehen sie und welche Folgen können sie nach sich ziehen? 
Antwort: Unter Vorurteilen versteht man die ungeprüfte Übernahme von Meinungen über Personen oder Sachen. Sie entstehen durch Erziehung, Überlieferung, Hass / Neid, Propaganda, Verallgemeinerung. Die Folgen können eine Einschränkung der Wahrnehmung sein, die dann zu einer Fehleinschätzung der Situation führt.

H11) Was ist unter der Sachebene in der Kommunikation zu verstehen? 
Antwort: In der Sachebene werden Fakten und Informationen gesendet und empfangen.

H12) Was ist unter der Beziehungs- oder Gefühlsebene in der Kommunikation zu verstehen? 
Antwort: Hier wird das Verhältnis der Gesprächspartner zueinander abgebildet. Oft sind unbewusste oder vermutete Einstellungen und Einschätzungen prägend.

Fragen zur Sachkunde nach §34a

H13) Worauf ist in der Kommunikation bei Kontroll- und Überwachungsaufgaben besonders zu achten? 
Antwort: Neben einer klaren, begründeten, verständlichen und soweit möglich verständnisvollen Ansprache ist durch Körpersprache und stimmliche Signale eine für den Adressaten annehmbare Beziehungsebene herzustellen.

H14) Was soll das „Eisbergmodell“ verdeutlichen?
Antwort: Kommunikation findet überwiegend in der Gefühls- und Beziehungsebene statt.

H15) Wozu dient die Transaktionsanalyse? 
Antwort: Sie soll Kommunikation verständlicher machen u. ermöglicht bei kritischer Reflexion den jeweiligen „Ich-Zustand“ festzustellen, aus dem ein bestimmtes Verhalten, eine bestimmte Kommunikation erfolgte, sowohl beim Sender als auch beim Empfänger. Für ein gutes angenehmes Gespräch ist eine parallele Kommunikation anzustreben. Durch gezieltes Wechseln des „Ich-Zustandes“ können Gesprächsverlauf und –ergebnis beeinflusst werden. Wenn Kommunikation gestört ist, hat in der Regel eine Überkreuzkommunikation stattgefunden.

H16) Welches sind die vier Seiten einer Nachricht? 
Antwort: Sachinhalt (was ich an Informationen weitergebe),
Appell (wozu ich einen anderen veranlassen möchte),
Beziehung (was ich von dem anderen halte),
Selbstoffenbarung (was ich von mir selbst kundgebe; un-/gewollte Selbstdarstellung).

H17) Wozu dient dieses Kommunikationsmodell?
Antwort: Es soll wie bei der TA Kommunikation nachvollziehbarer machen, um Störungen zu vermeiden bzw. zu beheben. 

H18) Wodurch ist das „aktive Zuhören“ gekennzeichnet und wozu dient es?
Antwort: Es fördert die Kommunikation und ist beispielsweise gekennzeichnet durch Blickkontakt, Gesprächsbegleiter, Verständnisfragen und Wiederholung des Gehörten mit eigenen Worten.

H19) Was ist unter der selbstsicheren „Ich-Botschaft“ zu verstehen? 
Antwort: Sie verkörpert einen Kommunikationsstil, in dem der Gesprächspartner tatsächlich Partner ist. Sie steht im Gegensatz zur „Du-Botschaft“ und drückt eigene Gefühle und Gedanken aus. Der Gesprächspartner wird nicht bevormundet. In einer ausführlichen „Ich-Botschaft“ wird aber auch der Wunsch (die Bitte) auf Verhaltensänderung des Partners ausgedrückt.

H20) Wie gliedert sich die Dreisatztechnik und wozu dient sie? 
Antwort: Sie ist eine vorbereitete und gegliederte Argumentationstechnik und dient der Überzeugung des Gesprächspartners. In der Planungsphase ist die Reihenfolge Ziel, Argumente, Einleitung; in der Ausführungsphase wird natürlich mit Einleitung begonnen, dann werden die Argumente vorgetragen und schließlich das Ziel formuliert. Es sollten höchsten drei Argumente ausgewählt werden in der Reihenfolge mittelstarkes, schwächeres und stärkstes Argument.

H21) Wann könnte die Gesprächstechnik „Schallplatte mit Sprung“ angewendet werden?
Antwort: Wenn mit normaler guter Kommunikation das Gesprächsziel nicht erreicht wird, weil der Partner bewusst oder unbewusst die Botschaft nicht hören will.

H22) Wozu dient die Gesprächstechnik „Vernebelung“? 
Antwort: Sie dient dem moderaten Umgang mit Provokationen und Beleidigungen. Man bietet keine Angriffsfläche und ist eher in der Lage, eigene Emotionen zu kontrollieren.

H23) Was will man mit der Aussage „Wer fragt, der führt das Gespräch!“ ausdrücken? 
Antwort: Der Fragende zeigt Interesse an dem Gesprächspartner, kann die Gefühlsebene positiv beeinflussen und das Gespräch lenken.

H24) Was ist eine offene und was eine geschlossene Frage? 
Antwort: Auf offene Fragen (wer, was, wie, warum etc.) sind freie Antworten möglich; sie entlocken dem Partner mehr Informationen. Geschlossene Fragen können nur vorgegeben alternativ beantwortet werden (ja oder nein / schwarz oder weiß etc.) und grenzen ein. Sie sollten dann gestellt werden, wenn präzise Angaben erwartet werden.

Fragen zur Sachkunde nach §34a

H25) Welche Gefahr besteht, wenn man bestimmten Personengruppen ein spezifisches Verhaltensmuster zuordnet? 
Antwort: Es besteht die Gefahr des Vorurteils, d.h. es werden bestimmte Verhaltensweisen erwartet und diese werden dann auch subjektiv wahrgenommen, obwohl sie in der Realität nicht vorliegen. Die eingeschränkte Wahrnehmung führt zu einem Fehlurteil, welches falsches Partnerverhalten nach sich ziehen kann.

H26) Welches sind alterstypische Verhaltensweisen von Jugendlichen?
Antwort:
_ übersteigertes Geltungsbedürfnis
_ Rebellion gegen die Erwachsenenwelt
_ Übersensibilität
_ Unsicherheit
_ mangelnde soziale Einordnung
_ Gruppenbildung
_ niedrige Frustrationstoleranz

H27) Wie sollte sich ein Sicherheitsdienstmitarbeiter grundsätzlich gegenüber Jugendlichen verhalten? 
Antwort: _ Behandlung wie gleichwertige Gesprächspartner (grundsätzlich mit Sie ansprechen) 
_ Beachtung der Grundsätze der Kommunikation
_ Ermahnungen / Hinweise sachlich und eindeutig aussprechen
_ nicht schulmeistern
_ nicht „stimmgewaltig“ sprechen
_ nicht auf Provokationen „anspringen“
_ locker und selbstbewusst sein

H28) Welche altersbedingten Auffälligkeiten können bei Senioren auftreten? 
Antwort:
_ unbeweglich (körperlich und geistig)
_ starrsinnig
_ rechthaberisch
_ desorientiert
_ gutgläubig
aber auch
_ nachsichtig
_ tolerant
_ duldsam
_ freundlich

H29) Welche Regeln sollten beim Umgang mit Senioren beachtet werden?
Antwort:
_ besonders respektvoll und zuvorkommend begegnen
_ grundsätzlich nicht ungefragt helfen
_ bei Überwachungs- und Kontrollaufgaben anknüpfen an Werte, die von dieser Personengruppe besonders geachtet werden, wie Verantwortung, Pflichtbewusstsein, Zuverlässigkeit, Ordnung

H30) Wie beeinträchtigt Alkohol die Leistungsfähigkeit?
Antwort: Es werden Wahrnehmung, Motorik, Intelligenz, Gedächtnis sowie Stimmung beeinträchtigt. Unter anderem können Mitteilungsbedürfnis, Risikobereitschaft, Abbau von Hemmungen, erhöhte Aggressionsbereitschaft und Schmerzunempfindlichkeit die Folgen sein.

Fragen zur Sachkunde nach §34a

H31) Welche Regeln sollten beim Umgang mit Betrunkenen beachtet werden? 
Antwort: 
_ Zeigen, dass man sie ernst nimmt (Geduld, aktives Zuhören)
_ auf vermindertes Distanzverhalten nicht sofort heftig reagieren 
_ Provokationen und Beleidigungen nicht persönlich nehmen (denn sie wissen nicht, was sie tun)
_ bei aller Geduld und bei allem Verständnis immer erhöhte Wachsamkeit
_ Anweisungen klar und deutlich geben
_ bei erforderlicher Durchsetzung einer Maßnahme überraschender und entschlossener körperlicher
Einsatz im Rahmen der Gesetze

H32) Wie ist das Verhalten von Drogenabhängigen zu verstehen und welche Auffälligkeiten gibt es je nach Drogenkonsum?
Antwort: Es sind Menschen, die in ihrem Erleben und Verhalten von der Sucht gesteuert (fremdgesteuert) sind. 
Auffälligkeiten je nach Drogenkonsum :
_ verwahrlostes äußeres Erscheinungsbild
_ physische Schwäche
_ reduziertes Körpergewicht
_ apathisches Verhalten
_ Unruhe, Nervosität 
_ enge Pupillen, stechender Blick 
_ geweitete Pupillen, euphorisches Verhalten

H33) Welche Grundsätze sind beim Umgang mit Drogenabhängigen zu beachten?
Antwort: 
_ Menschenwürdige Umgangsformen sind nicht nur ein Verfassungsgebot; sie müssen aus innerer Überzeugung praktiziert werden.
_ Dies schließt erhöhte Eigensicherung nicht aus. Es muss mit kaum vorhersehbaren Verhaltensänderungen des Drogenabhängigen gerechnet werden.
_ Weitere Verhaltensempfehlungen analog zu Betrunkenen.

H34) Welche Gefahr besteht, wenn man in Konflikten unbedingt seine Meinung / Absicht durchsetzt?Antwort: Es besteht die Gefahr, dass der „Verlierer“ nach Rache / Genugtuung trachtet.

H35) Was veranschaulicht das Kreislaufmodell der Konflikteskalation?
Antwort: Es verdeutlicht, wie Emotionen einen Handlungsablauf bestimmen, Konflikte sich hochschaukeln und durch Kontrollverlust unangemessene Aktionen und Reaktionen aufeinander folgen.

H36) Welche Grundsätze gelten beispielsweise bei der Kommunikation in Konfliktsituationen?
Antwort: Kontrolle der Emotionen. Eigene Empfindungen und Gleichwertigkeit der Gesprächspartner herausstellen, sachlich argumentieren, möglichst einen für beide Seiten positiven Abschluss finden.

H37) Was ist unter der individuellen Frustrationstoleranz zu verstehen?
Antwort: Es ist die Art der Verarbeitung von Frustration, die individuell unterschiedlich nach Veranlagung, Erziehung, Lebenserfahrung und Einstellung ist.

H38) Welcher Zusammenhang besteht zwischen Frustration, Resignation und Aggression? 
Antwort: Wenn Frustration nicht positiv im Sinne einer Konfliktlösung verarbeitet wird, kann sie zur Resignation oder häufig zur Aggression führen.

H39) Gegen wen oder was können sich Aggressionen richten? 
Antwort: Gegen Sachen oder Personen, wobei die Personen auch Unbeteiligte sein können, weil der eigentliche Auslöser der Frustration zu mächtig oder nicht anwesend ist.

H40) Was ist unter Deeskalation zu verstehen? 
Antwort: Unter Deeskalation sind Verhaltensweisen, Kommunikationstechniken und sonstige Maßnahmen zu verstehen, die zur Entschärfung einer Situation führen.

H41) Wie kann man vorbeugend eine Eskalation weitestgehend vermeiden? 
Antwort: Durch Einsatzmanagement, Eigensicherung und Antizipierung des Verhaltens anderer und daraus resultierende vorbeugende Maßnahmen.

Fragen zur Sachkunde nach §34a

H42) Was gehört zum Einsatzmanagement?
Antwort: Fundierte Orts- und Objektkenntnisse, gute Kenntnisse der betrieblichen Arbeitsabläufe, Kenntnisse über Stärken und Schwächen der Mitarbeiter, Überprüfung der persönlichen Ausrüstung, Überprüfung der übernommenen Einsatzmittel, Beachtung taktischer Grundsätze und der Unfallverhütungsvorschriften, gedankliche Einstimmung auf die Einsatzsituation, vorbeugende Stressbewältigung.

H43) Welche Grundsätze der Eigensicherung kennen Sie?
Antwort: Gefahrenbewusstsein, Gefahrenerkennung, vorausschauendes Verhalten, gesundes Misstrauen, Absprache im Team, Absprache mit der NSL, Umfeld beobachten, Handlungsablauf bestimmen, Abstand halten. 

H44) Welche Grundsätze der Selbstbehauptung kennen Sie? 
Antwort: Führung behalten, Selbstvertrauen ausstrahlen, bei Bedrohung mit Waffen dem Täter die Flucht ermöglichen.

H45) Welche Möglichkeiten der Trennung von streitenden Personen kennen Sie? 
Antwort: Ein Dazwischengehen ist grundsätzlich zu vermeiden; vielmehr sollten durch „Kommunikation in der Bewegung ohne Zerren und Schieben die Streitenden auseinander gebracht werden. Als einzelner spreche ich den Stärkeren bzw. Aggressor an, im Team spricht jeder getrennt eine Person an und bringt sie in eine Position, in der die Streitenden sich nicht unmittelbar sehen, wohl aber die Sicherheitsmitarbeiter sich noch gegenseitig sehen und sichern können.

H46) Warum verhalten sich Menschen häufig als Teil einer Personenmehrheit anders?
Antwort: Sie fühlen sich dann anonym in der Gruppe oder Menge, passen ihr Verhalten an, geben dem Gruppendruck nach, haben geringeres Verantwortungsgefühl, sind emotional stärker ansprechbar und können auch einen Hang zur Selbstdarstellung haben.

H47) Was ist aus psychologischer / soziologischer Sicht eine Gruppe? 
Antwort: Es handelt sich um eine begrenzte Anzahl von Personen, die miteinander über längere Zeit in Beziehung stehen, miteinander in Aktion treten, gemeinsame Ziele haben, Gruppenstruktur und Gruppennormen aufweisen. Die Normen sind umso klarer, je kleiner und überschaubarer die Gruppe ist; der Gruppendruck umso stärker, je wichtiger das gemeinsame Ziel ist.

H48) Welche Regeln gelten im Umgang mit Gruppen? 
Antwort: 
_ freundliches und gewinnendes Auftreten, drohende Posen schüchtern die Gruppe nicht ein, sondern fordern sie heraus
_ wenn möglich, das Gespräch zunächst getrennt mit dem Anführer suchen (der durch Beobachtung schnell herausgefunden werden kann), ihn im Gespräch positiv „aufbauen“, damit er ohne Gesichtsverlust eine Verhaltensänderung der Gruppe bewirken kann
_ das „Wir-Gefühl“ der Gruppe positiv ansprechen, z.B. : „Meine Herren, bitte helfen Sie mir, das Rauchverbot einzuhalten“, anstatt: „Ihr seid wohl alle süchtig!“
_ soll ein einzelnes Gruppenmitglied angesprochen werden, so sollte es grundsätzlich aus der Gemeinschaft herausgelöst werden

H49) Welche Merkmale weist eine Menschenmenge auf?
Antwort: 
_ Fehlen einer unmittelbaren Kommunikation aller Personen untereinander
_ Hinzukommen oder Weggehen einzelner Personen unerheblich
_ Möglichkeit der Entstehung von massenpsychologischen Phänomenen

H50) Welche Verhaltensempfehlungen können im Umgang mit Menschenmengen gegeben werden?
Antwort:
_ Übersicht behalten
_ Kontakt zu Kollegen und NSL halten
_ Ruhe, Souveränität ausstrahlen
_ sachliche Argumentation
_ Wortwechsel mit einzelnen Personenvermeiden
_ Sensibilität für massenpsychologische Phänomene

Fragen zur Sachkunde nach §34a

H51) Was ist unter einer Menschenmasse und was unter einer Akuten Masse zu verstehen?
Antwort:
_ Menschenmasse: Die Aufmerksamkeit einer Menschenmenge wird durch ein Ereignis (z.B.
Lautsprecherdurchsage, Geräusch, Unfall, Auftreten der Polizei) in eine bestimmte Richtung gelenkt. 
_ Akute Masse: Die Masse gerät durch gemeinsame Gefühle wie Angst, Schrecken, Wut in Bewegung.

H52) Was ist Panik und wie wird das Verhalten des Menschen in dieser Situation bestimmt?
Antwort:
_ Hierunter ist das plötzlich eintretende Entsetzen von Menschen zu verstehen, die sich scheinbaroder tatsächlich in einer lebensbedrohenden Situation befinden.
_ Das Verhalten des Menschen wird durch den Überlebenstrieb bestimmt; Verstand und Gefühl sind ausgeschaltet. Es kommt zum Paniksturm oder zur Panikstarre.

H53) Was sind panikfördernde Bedingungen? 
Antwort:
_ Personen befinden sich in beengten Räumen, die sie nicht kennen.
_ Eine Stimmung kommt auf (z.B. bedingt durch Geruch, Geräusche, Lichtausfall), die das Gefühleiner akuten Bedrohung hervorruft.
_ Fluchtweg ist unbekannt, versperrt, schwer erreichbar oder eingeengt (Flaschenhalssyndrom).
_ Panikverhalten einzelner überträgt sich auf andere.

H54) Welche präventiven Maßnahmen sind geeignet, eine Panik zu verhindern?
Antwort:
_ Information u. Schulung des Sicherheitspersonals
_ Zustandskontrollen der Notausgänge, Notbeleuchtung, Fluchtwege, Beschilderung, Feuerlöscheinrichtungen, Geländer etc. 
_ Einlasskontrollen bei Veranstaltungen mit Suche nach Feuerwerkskörpern etc.
_ Gliederung des Veranstaltungsraumes 
_ vorbereitete Texte für Lautsprecherdurchsagen

Fragen zur Sachkunde nach §34a


Grundlagen der Sicherheitstechnik

I01) Wie werden die drei Säulen der Sicherheitstechnik bezeichnet? 
Antwort:
_ mechanischer Grundschutz
_ elektronische Überwachungseinrichtungen
_ Organisation der Alarmverfolgung und Risikomanagement

I02) Welche Arten des mechanischen Grundschutzes kennen Sie?
Antwort: Zaun und Tor, Schranken, Vergitterungen, Türen, Rollläden, Fenster, Schließanlagen,
Personenvereinzelungsanlagen, Wertbehältnisse, Tresorräume

I03) Welche Möglichkeiten der elektronischen Überwachung kennen Sie?
Antwort: EMA, ÜMA, BMA, ZKS, Videoüberwachung, Kommunikationsmittel, WKS, Personennotrufanlagen

I04) Welche Bestandteile gehören zur Organisation der Alarmverfolgung?
Antwort: Vorschriften, Flucht-/ Rettungspläne, Dienst-Kfz, Diensthund, Dienstkleidung, Handlampe, Notwehrmittel, Arbeitsschutzmittel

I05) Was ist unter dem Widerstandszeitwert zu verstehen?
Antwort: Der Widerstandszeitwert ist die Zeiteinheit, die ein geübter Fachmann (geübter Täter) mit typischen Werkzeugen und entsprechender Energie vom Beginn des Angriffs bis zur erfolgreichen Überwindung benötigt.

I06) Welche Kenngrößen bestimmen den Widerstandszeitwert? 
Antwort: Verwendetes Material, Aufwendigkeit der Konstruktion, Tätervorgehen (planerische Sicherheit, Fachwissen, Handhabungssicherheit), Zeitpunkt der Erkennung und Meldung des Angriffs an die Hilfe leistende Stelle, Handlungssicherheit bei der Organisation der Alarmverfolgung

I07) Welche Überwindungsmöglichkeiten sollen Zaunanlagen verhindern? Antwort: Durchbrechen und Durchtrennen, Übersteigen, Untergraben / Unterkriechen, Durchreichen von Gegenständen

I08) Welche Zaunarten kennen Sie?
Antwort: Maschendrahtzaun, Drahtgitterzaun, Stahlgitterzaun, Stahlprofilzaun, Streckmetallzaun

I09) Welche automatischen Türsysteme oder Personenvereinzelungsanlagen kennen Sie?
Antwort: Drehsperren, Schwenktüren, hohe und halbhohe Drehkreuzanlagen, Portaldrehkreuze, Portaldrehkreuze mit integrierter Flügel- oder Fahrradtür, Drehtüren, Personenschleusen

I10) Was können Schwachpunkte einer Tür innerhalb ihrer Baueinheit sein? 
Antwort: Türrahmen und Zargen mit Schließblech, Türblatt, Schloss und Verschlusseinrichtungen, Sicherheitstürbeschlag, Türbänder

11) Was können Schwachpunkte eines Fensters innerhalb seiner Baueinheit sein? 
Antwort: Rahmenfries, Flügelfries, Bänder, Verglasung, Fenstersims, Verschlusseinrichtung

I12) Welche Schlossarten oder Verschlusseinrichtungen kennen Sie? 
Antwort: Schließzylinder (rund / oval / profil), Buntbartschloss, Zuhaltungsschloss, Zahlenkombinationsschloss, Mechatronik-Schlosssysteme

I13) Wie werden Schließanlagen nach ihrer Funktionalität unterschieden? 
Antwort: Zentralschließanlage, Hauptschlüsselanlage, Generalhauptschlüsselanlage, kombinierte Hauptschlüssel- Zentralschlossanlage, Zentralschlossanlage mit übergeordnetem Schlüssel

I14) Welche Arten von Wertbehältnissen kennen Sie? 
Antwort: Schlüsseltresore, Wand- und Bodentresore, Möbeleinsatztresore, Möbeltresore, Sicherheitsschränke, feuersichere Dokumentenschränke, Datensicherungsschränke, Wertschutzräume, Wertschutzschränke.

Fragen zur Sachkunde nach §34a

I15) Welche Aufgaben hat ein Zutrittskontrollsystem?
Antwort: Überwachung und Steuerung der Personalbewegung, Identifizierung von Personen, Feststellen der Berechtigung, Auslösung von Alarmen bei Normabweichungen

I16) Aus welchen Bestandteilen besteht ein Zutrittskontrollsystem?
Antwort: Drehtür, Drehsperre, Drehschleuse, Zentraleinheit mit Datenspeicher, akustischer Alarmgeber, Bildschirm mit Eingabetastatur (Bedienkonsole), Protokolldrucker, Ausweisleser, codierbare Ausweise

I17) Welche grundsätzlichen Aufgaben erfüllen Gefahrenmeldeanlagen? 
Antwort: Gefahrenmeldeanlagen (GMA) sind Fernmeldeanlagen. Sie erkennen und melden Gefahren für Leben, Gesundheit und Sachwerte und geben Statusmeldungen ab.

I18) Welche Arten von Gefahrenmeldeanlagen kennen Sie? 
Antwort:
Einbruchmeldeanlage (EMA)
Überfallmeldeanlage (ÜMA)
Brandmeldeanlage (BMA)
Störmeldeanlage und -einrichtungen

I19) Welche Aufgaben erfüllt eine Einbruchmeldeanlage (EMA)?
Antwort: Die Einbruchmeldeanlage (EMA) überwacht Flächen und Räume gegen unbefugtes Eindringen und Gegenstände gegen unbefugte Wegnahme.

I20) Welche Aufgabe erfüllt eine Überfallmeldeanlage (ÜMA)?
Antwort: Die Überfallmeldeanlage (ÜMA) dient dem direkten Hilferuf durch Personen bei Gefahr für Leben und Gesundheit und ist nicht abschaltbar. Die Auslösung alarmiert mit einem stillen Alarm sofort die Polizei.

I21) Wozu dient eine Brandmeldeanlage (BMA)?
Antwort: Die Brandmeldeanlage (BMA) ermöglicht einen Hilferuf manuell oder automatisch bei Branderkennung zur Feuerwehr.

I22) Wozu dient eine Störmeldeanlage / Störmeldeeinrichtung? 
Antwort: Die Störmeldeanlage / -einrichtung überwacht technische Prozesse und Abläufe und meldet Unregelmäßigkeiten.

I23) Aus welchen Komponenten besteht eine Einbruchmeldeanlage (EMA)? 
Antwort: Meldezentrale, Meldelinien / -gruppen, Sensoren (Melder), Scharfschalteinrichtung, Stromversorgung, Notstromakku, Ereignisnachweis, Signalgeber optisch / akustisch, fernmeldetechnischer Übertragungsweg

I24) Aus welchen weiteren Komponenten besteht eine Überfallmeldeanlage (ÜMA)?
Antwort: Notruftaster / Notrufdrücker, Geldscheinmelder, Tretleiste, Codiereinrichtungen

I25) Aus welchen Komponenten besteht eine Brandmeldeanlage (BMA)?
Antwort: Meldezentrale, Meldelinien / -gruppen, (Rauch- / Flammen- / Wärme- / Manuelle Melder), Stromversorgung, Notstromakku, Ereignisnachweis, Signalgeber optisch / akustisch, fernmeldetechnischer Übertragungsweg

I26) Welche Arten von Rauchmelder werden in der Brandmeldeanlage eingesetzt?
Antwort: Ionisationsmelder, Durchlichtmelder, Streulichtlichtmelder, Brandgasmelder, Multisensormelder

I27) Welche Arten von Flammenmelder werden in der Brandmeldeanlage eingesetzt?
Antwort: Infrarotflammenmelder, Ultraviolettflammenmelder, IR-Funkenmelder für Rohrleitungen

I28) Welche Arten von Wärmemelder werden in der Brandmeldeanlage eingesetzt?
Antwort: Wärmemaximalmelder, Wärmedifferenzialmelder

I29) In welchen Bereichen kommen Störmeldemeldeanlagen zum Einsatz?
Antwort: Heizungsanlagen, Belüftungseinrichtungen, elektronische Anlagen, Dauerversuche, Bereiche mit Leckagerisiken und Flüssigkeitsstandsmessung (Löschwasser).

Fragen zur Sachkunde nach §34a

I30) Aus welchen Bestandteilen besteht eine Feststellanlage?
Antwort: Eine Feststellanlage besteht aus mindestens einem Brandmelder, einer Auslösevorrichtung, einer Feststellvorrichtung, einer Energieversorgung und einer Handauslösung.

I31) Welche Aufgabe haben Feuerschutzabschlüsse?
Antwort: Feuerschutzabschlüsse haben die Aufgabe, im geschlossenen Zustand die Ausbreitung von Feuer und Rauch über einen definierten Zeitraum zu verhindern.

I32) Welche Aufgabe haben Sprachalarmierungs- und Evakuierungsanlagen? 
Antwort: Über die Lautsprecher können vorbereitete oder situationsabhängige Texte als Warnung oder Handlungsanweisung im Objekt verbreitet werden. Bei Gefahr ist eine unverzügliche und wirksame Einleitung einer vollständigen oder teilweisen Räumung des Gebäudes möglich.

I33) Aus welchen Bestandteilen besteht eine Sprachalarmierungs- und Evakuierungsanlage? 
Antwort: Eine Sprachalarmanlage besteht mindestens aus einer Sprechstelle, einer Verstärkeranlage mit einer Notstromversorgung, dem Leitungsnetz und den verschiedenen Lautsprechern.

I34) Aus welchen Bestandteilen besteht eine Feststellanlage?
Antwort: Eine Feststellanlage besteht aus mindestens einem Brandmelder, einer Auslösevorrichtung, einer Feststellvorrichtung und einer Energieversorgung

I35) Welches sind die wichtigsten automatischen Löschanlagen? 
Antwort: Sprinkleranlage, CO²- Feuerlöschanlage, Inergen-Löschanlage

I36) Welche drahtgebundenen Kommunikationsmittel kennen Sie? 
Antwort: Telefone, Faxgeräte, Gegen- / Wechselsprechanlagen, Beschallungsanlagen, Video- Bildübertragungsanlagen, Datenaustausch über Online-Netze.

I37) Welche drahtlosen Kommunikationsmittel kennen Sie?
Antwort: Betriebsfunk, Bündelfunk, C / D1-D2 / E1 Netz, Europäischer Funkdienst (Eurosignal), Cityruf, Personenrufanlagen.

I38) Wobei kann eine Videoüberwachungsanlage unterstützend eingesetzt werden? 
Antwort: Über eine Videoüberwachungsanlage kann in Kombination mit einer GMA das gezielte Zuschalten eines Bildaufnahmegerätes im Ereignisbereich automatisch erfolgen. Dieses kann zur Dokumentation und Detailauswertung genutzt werden.

I39) Welche Teilbereiche unterscheidet man in der Videoüberwachungsanlage? 
Antwort: Die Teilbereiche sind Bildaufnahme, Bildübertragung, Bildwiedergabe, Bildaufzeichnung, Bildauswertung, Bildverteilung.

I40) Wozu dienen Wächterkontrollanlagen? 
Antwort: Die Wächterkontrollanlagen dienen zum Nachweis der durchgeführten Leistungen.

I41) Welches sind die bekanntesten Wächterkontrollanlagen?
Antwort: mechanische Stechuhr, elektronische Stechuhr, Funkstechuhr, drahtgebundene Kontrollmeldungen

I42) Welche Aufgaben hat eine Notruf- und Serviceleitstelle? 
Antwort: In der Notruf- und Serviceleitstelle wird vorrangig die Alarmverfolgung mit technischer Unterstützung organisiert. Außerdem ist sie Ansprechpartner für Kunden und Mitarbeiter außerhalb der allgemeinen Geschäftszeit.

I43) Wie sind die Aufgaben der Notruf- und Serviceleitstelle strukturiert?
Antwort: Ereigniserfassung, Informationsbereitstellung, Nachrichtenabwicklung, Dokumentation