Kontrollfragen (Unterlassene Hilfeleistung)

F204) Eine Ehefrau kommt an den Ort eines Verkehrsunfalls (Auto liegt in einem Graben). Zwei Personen drohen zu ertrinken. Die Ehefrau könnte beide Personen retten, was sie nicht macht, da sie erkennt, dass die eine Person ihr Ehemann und die andere Person die Geliebte des Ehemanns ist. Ihr Ehemann hatte ihr versprochen, die Beziehung zu beenden. Beide Personen ertrinken. Nach welchen Vorschriften hat sich die Ehefrau strafbar gemacht?
Antwort: Hinsichtlich der Geliebten liegt eine Unterlassene Hilfeleistung gemäß § 323c StGB vor, da die Ehefrau der Geliebten bei einem Unglücksfall nicht die zumutbare und erforderliche Hilfe geleistet hat. Hinsichtlich des Ehemanns liegt sogar ein Tötungsdelikt (Mord oder Totschlag) durch Unterlassen vor, da die Ehefrau nicht nur eine allgemeine Hilfspflicht, sondern gemäß § 13 StGB eine Garantenstellung hatte, ihren Ehemann zu retten.

F205) Ist die fahrlässige unterlassene Hilfeleistung strafbar? 
Antwort: Gemäß § 15 StGB ist grundsätzlich nur vorsätzliches Handeln strafbar, fahrlässiges Handeln jedoch nur, wenn das Gesetz es ausdrücklich vorsieht. Mithin ist die fahrlässige, unterlassene Hilfeleistung straflos, da sie im Text des § 323c StGB nicht genannt ist.

F206) Ist die versuchte unterlassene Hilfeleistung strafbar? 
Antwort: Gemäß § 12 Abs. 2 StGB ist die unterlassene Hilfeleistung ein Vergehen. Die versuchte unterlassene
Hilfeleistung ist gemäß § 23 Abs. 1 StGB straflos, da der Versuch im Text des § 323c StGB nicht genannt ist.

F207) Was für ein Delikt ist die unterlassene Hilfeleistung?
Antwort: Vergehen, echtes Unterlassensdelikt, Offizialdelikt