Kontrollfragen (Freiheitsberaubung)

F116) Ist die fahrlässige Freiheitsberaubung strafbar? 
Antwort: Gemäß § 15 StGB ist grundsätzlich nur vorsätzliches Handeln strafbar, fahrlässiges Handeln jedoch nur, wenn das Gesetz es ausdrücklich vorsieht. Mithin ist die fahrlässige Freiheitsberaubung straflos, da sie im Text des § 239 StGB nicht genannt ist.

F117) Ein Detektiv ertappt eine ihm unbekannte Mutter bei einem Diebstahl, die 
a) ein Kleinkind (4 Monate alt) im Kinderwagen bei sich hat. 
b) ein schlafendes Kind (2 Jahre alt) im Buggy bei sich hat.
Um sich in Ruhe mit der Mutter unterhalten zu können, schließt der Detektiv den Kinderwagen bzw. Buggy mit dem Kind in einem Nebenraum seines Büros ein. Er untersagt der Mutter, zu ihrem Kind zu gehen, obwohl sie es ausdrücklich wünscht. Macht sich der Detektiv der Freiheitsberaubung schuldig?
Antwort: Es liegt weder hinsichtlich des Kleinkindes noch hinsichtlich der Mutter eine Freiheitsberaubung gemäß § 
239 StGB vor. Kleinkinder oder Schlafende sind nicht in der Lage, einen Fortbewegungswillen zu bilden, so dass sie als Tatobjekt nicht in Betracht kommen. Die Mutter wird nicht eingesperrt, da sie das Detektivbüro verlassen kann. Dass sie nicht zu ihrem Kleinkind gelassen wird, erfüllt möglicherweise den Tatbestand der Nötigung gemäß § 240 StGB.

F118) Ist die versuchte Freiheitsberaubung strafbar? Antwort: Gemäß § 12 Abs. 2 StGB ist die Freiheitsberaubung ein Vergehen. Die versuchte Freiheitsberaubung ist gemäß § 23 Abs. 1 StGB strafbar, da der Versuch im Text des § 239 Abs. 2 StGB genannt ist.

F119) Welches Rechtsgut schützt die Vorschrift? 
Antwort: Die Vorschrift schützt die freie Willensentschließung und Willensbetätigung bezogen auf die persönliche Fortbewegungsfreiheit, also die Freiheit, einen bestimmten Ort jederzeit ungehindert verlassen zu können.

F120) Was für ein Delikt ist die Freiheitsberaubung? Antwort: Vergehen, Offizialdelikt